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Frank Möbus
Risky Business

Risky Business
Risky Business

Produktinformationen

Besetzung

Frank Möbus - guitar
Rudi Mahall - bass-clarinet
Oliver Bernd Steidle - drums


Aufnahmedetails

Recorded and mixed by Hrólfur Vagnsson at Tonstudio Vagnsson, Hamburg, March 2002
Mastered by H. J. Maucksch at Pauler Acoustics, Northeim
Produced by Frank Möbus


Ein Raunen ging durch die deutschsprachigen Feuilletons, als Der Rote Bereich im Frühjahr letzten Jahres "Love Me Tender", seine erste Platte bei Act, veröffentlichte. Die Musik des Trios um den Gitarristen Frank Möbus hatte keine Spur von dem üblen Geruch, den Frank Zappa einst dem Jazz nachsagte. Statt dessen: Die Kompositionen losratternd, die Soli kurvig, das Gruppenspiel kreischend – Musik wie eine Achterbahnfahrt. Allerdings wie eine im Rückwärtsgang: Den nächsten Loop sieht man nie kommen. Ob New Thing, Rock’n’Roll oder Zwölftonreihen, die drei Männer mit den langen Koteletten und überkandidelten Anzügen haben die flüchtige Anspielung zum Stilmittel erhoben. Gut anschnallen also, und noch besser hinhören, sonst verpasst man alles. Das hieß es damals, das heißt es jetzt.

Denn nach einem guten Jahr, vollgepackt mit Tourneen durch Europa, geht es weiter mit "Risky Business", aufgenommen im März 2002. Man muss ein bisschen Etymologie betreiben, um hinter den Titel zu kommen. "Business" kommt schließlich von "Busy-ness". Hier geschehen noch mehr Dinge gleichzeitig als auf dem Vorgänger. Möbus setzt in vielen Stücken ein Loopgerät ein, an einigen Stellen sind es sogar zwei, die gegeneinander laufen. "Dieses Spiel mit der Maschine ist schon in den Kompositionen angelegt", sagt Möbus. "Es ist, als tanzten wir alle drei um diesen unverrückbaren Puls".

Ein Rollercoaster, so riskant, dass nicht jeder auf seinem Platz bleibt. Deshalb hat Der Rote Bereich nun einen neuen Schlagzeuger, Oliver Bernd Steidle, gerade 25 Jahre alt. Genau wie Möbus und Mahall stammt er aus Nürnberg, und auch er gehört zur lebendigen Berliner Szene. Möbus ist hellbegeistert: "Ich war vor einem Jahr mit seiner Band auf Tour. Da ist mir ein Licht aufgegangen. Durch ihn werden die komplizierten Rhythmen nachvollziehbar, er hört die Form der Stücke voraus. Jeder in der Band weiß nun, wann er dem anderen etwas geben muss". Man hört das am Opener "Mein Sportheim", ein Stück, das die Platte zusammenfasst. Noch dichter als früher klingt die Band hier. Zwei Metren (4/4 und 6/8) laufen gegeneinander, Rudi Mahall fügt in seinem Solo noch ein drittes hinzu. Wobei "Solo" die Sache nicht trifft. Möbus: "Es geht bei den Improvisationen nicht mehr um den einzelnen Spieler, sondern um den Gesamtsound. Deswegen wechseln Solo und Begleitung in kurzen Abständen. Und das Solo selbst hat immer auch begleitende Funktion."

Zwei Klassiker aus dem Repertoire hat Der Rote Bereich hier noch einmal neu interpretiert. Dazu gehört Möbus‘ eindringliche Ballade "Feijoada De Chocos", das die Band auf dem dritten Album für das kleine Label "Jazz4Ever" eingespielt hatte. Die lyrische Seite des Roten Bereichs: auch sie hat ihre Tücken. Steidle wechselt zwischen 5/4 und 7/4, Möbus begleitet das Ganze in 4/4 und Mahall springt zwischen den Ebenen hin und her. Der Schwerpunkt von "Risky Business" aber liegt in der Wiederentdeckung der Rock-Einflüsse. Inzwischen schleppt Möbus, der fast alle Stücke geschrieben hat, einen großen Marshall-Verstärker zu den Konzerten, denn: "Die Stärke der elektrischen Gitarre liegt im Rock". Doch auch das, versteht sich, belässt Der Rote Bereich bei Andeutungen. Wirklichen Rock zu spielen, wäre einfach nicht riskant genug. Wenn auch gut für‘s Business.