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Produktinformationen

Besetzung

Esbjörn Svensson / piano
Dan Berglund / bass
Magnus Öström / drums


„Endlich ist es Abend. Wir treffen uns normalerweise Backstage. Magnus‘ Trommelstöcke klicken auf seinen Oberschenkeln. Åke spricht über verschiedene Soundsysteme und schimpft über die USA unter Bush. Dan und ich springen auf und ab, um unsere Energien in Schwung zu bringen. Dann gehen wir auf die Bühne, öffnen uns dem Publikum, der Musik. Zeitlos, ohne Programm, ohne feste Reihenfolge der Songs. Wir wollen offen sein für das, was gerade passt. Manchmal fällt mir zunächst nichts ein und es ist frustrierend. Aber am Ende funktionieren die Dinge jedes Mal und so ist es die Sache immer Wert [...], denn wenn alles erst einmal fließt, können wir uns einfach von diesem Fluss treiben lassen. Dann ist es die Musik, die uns trägt und wir lassen sie einfach durch uns hindurch spielen. Es ist fantastisch, fast religiös. Plötzlich können wir hören, wie wir Dinge spielen, die wir noch nie zuvor gespielt haben. Und plötzlich kehrt Farbe in das Leben zurück und auch das Publikum spürt es. Wir und die Zuhörer erleben etwas, dass so nie wieder geschehen wird, sich nicht wiederholen lässt. Manchmal gerät man dennoch in die Versuchung, das, was so gut war, zu wiederholen. Aber dieser Versuch ist fast immer zum Scheitern verurteilt. Jeder Moment ist einzigartig und wir sollten glücklich sein, ihn zu erleben. Jeder neue Abend ist ein Geschenk, das auf uns wartet. Und, ganz egal, wie gut gestern war – es ist fantastisch, die Vergangenheit zu vergessen und einfach im Hier und Jetzt zu sein.“
-              Esbjörn Svensson, Auszug aus dem schwedischen Radioprogramm "Sommar"
 
Am 10. Oktober 2001 spielte das Esbjörn Svensson Trio e.s.t. ein Konzert im Konzerthaus des schwedischen Göteborg. Im Nachgang wird Svensson dieses immer wieder als eines der besten bezeichnen, die das Trio je gespielt hat. Der Abend, dessen Mitschnitt nun auf „e.s.t live in Gothenburg“ erstmals als Album erscheint, war einer jener Glücksmomente, wie Svensson sie beschrieb. Ein Konzert, in dem alles fließt, sich die Energien von Musikern und Zuhörern gegenseitig befeuern, in dem die Grenzen zwischen Komposition und Improvisation verschwimmen, Melodien sich nahtlos aus den Themen in die Soli fortsetzen. Mit einer Band, die inzwischen zu einer absoluten Einheit verschmolzen ist und der die Stücke lediglich als Ausgangspunkt für einen gemeinsamen Weg dienen, dessen Ziel lange offen bleibt und auf dem man jeden Schritt zusammen auskostet.
 
Esbjörn Svensson, Dan Berglund und Magnus Öström erforschen, weiten und umspielen auf „e.s.t. live in Gothenburg“ das Repertoire der damals erschienenen Alben „From Gagarin´s Point of View“ und „Good Morning Susie Soho“, die den Grundstein für eine so eindrucksvolle, wie in ihrem Ausgang tragische Geschichte des europäischen Jazz legten. E.s.t. ist auf dem besten Weg, zur vielleicht wichtigsten europäischen Jazzband der Nullerjahre zu werden. So, wie später die Hallen und Festivals größer werden, wird auch die Musik von e.s.t. rauschhafter, rockiger, ostinater. „e.s.t. live in Gothenburg“ dokumentiert, eingefangen von Toningenieur Åke Linton, dem heimlichen vierten Bandmitglied, auf faszinierende Weise den Übergang des akustischen Jazztrios e.s.t. zu einem Phänomen. Einem, das dem Jazz in den kommenden zehn Jahren neue Impulse und eine ebenso neue, junge Hörerschaft bescheren wird. Zeigen die beiden bislang erschienenen Livealben „e.s.t. live in Hamburg“ und „e.s.t. live in London“ eher den Sound der großen Hallen, dokumentiert „e.s.t. live in Gothenburg“ den seinerzeit noch filigraneren, akustischeren, stellenweise fast schwerelosen von Jazz und Klassik geprägten Live-Sound des Trios. Und erste Rock- und Elektro-Anleihen, die, vor allem in der zweiten Konzerthälfte gen Zukunft weisen.
 
Auf „e.s.t. live in Gothenburg“ hört man, was Svensson meint, wenn er von der Magie des Moments spricht. Die Liveversionen der Stücke entfernen sich weit von den Studiofassungen. In langen Kollektiv-Improvisationen und unbegleiteten Solopassagen entsteht ganz neue, ungehörte Musik, scheinbar mühelos, ohne Brüche, mit weiten dynamischen Bögen, in einem Ensemble-Sound und Groove, der bis heute seinesgleichen sucht. Eine Musik, in der Jazz mehr als eine Haltung hörbar wird, als eine bestimmte Ästhetik oder ein spezifisches Vokabular. Dieses ist nur eines von vielen Elementen, die das große Ganze bilden. Genau wie europäische Klassik, Rock, Drum’n’Bass, Minimal Music, Indie und Vieles mehr.
 
Der Impuls, den e.s.t. dem Jazz, insbesondere aus Europa, und dem Klaviertrio verliehen hat, wirkt bis heute nach. Die Begeisterung für die Musik der Band ist ungebrochen. Es mag nach einem Allgemeinplatz klingen, aber Esbjörn Svensson ist durch seine Musik in der Tat unsterblich geworden. Durch seine Aufnahmen, die heute so frisch und aufregend klingen, als seien sie gerade erst entstanden. Und durch seinen Einfluss, den er, direkt oder indirekt, bis heute auf den Jazz und besonders das Jazz-Pianotrio ausübt. „e.s.t. live in Gothenburg“ zeigt mit Originalität, Wucht, Raffinesse, Fantasie und Spielwitz, warum.