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Esbjörn Svensson Trio e.s.t.
301

Magnus Öström, Esbjörn Svensson, Dan Berglund - ©ACT / Joerg Grosse-Geldermann
Magnus Öström, Esbjörn Svensson, Dan Berglund - ©ACT / Joerg Grosse-Geldermann
Magnus Öström, Esbjörn Svensson, Dan Berglund - ©ACT / Joerg Grosse-Geldermann
Magnus Öström, Esbjörn Svensson, Dan Berglund - ©ACT / Joerg Grosse-Geldermann

Produktinformationen

Besetzung

Esbjörn Svensson / grand piano, electronics, transistor radio
Dan Berglund / double bass, electronics
Magnus Öström / drums, electronics, voices


Aufnahmedetails

Performed and produced by e.s.t.
Recorded January 2007 at Studio 301, Sydney, Australia

All songs composed by Esbjörn Svensson, Dan Berglund and Magnus Öström


301

Im Januar 2007 befand sich e.s.t. auf Tour durch Asien und Australien, es war die dritte Japan-Tour, die zweite auf dem fünften Kontinent, und die Spielorte waren ebenso größer geworden wie der Publikumszuspruch. Erst ein paar Wochen zuvor hatte das Trio eine triumphale Deutschland-Tour hinter sich gebracht, einschließlich des Auftritts, dessen Mitschnitt „Live in Hamburg“ die Londoner „Times“ später zum „Album des Jahrzehnts“ kürte. Unzweifelhaft befand sich die Band im Zenit ihres stilprägenden Schaffens, das den Klang und das Gesicht des Klaviertrios im Jazz neu definierte. Esbjörn Svensson, Magnus Öström und Dan Berglund entschlossen sich während einiger Tour-Ruhetage in Sydney, das berühmte Studio „301“ zu mieten. Zwei Tage am Stück wollten sie ohne Druck einfach nur zusammen jammen, um frischen Wind in ihr Spiel zu bringen und neue Stücke zu entwickeln. Es entstanden neun Stunden Musik, schon kurz nach der Session destillierte Svensson daraus Material für zwei Alben. Der Plan war, von den Aufnahmen entweder ein Doppelalbum oder zwei direkt aufeinander folgende Alben zu veröffentlichen. Der tragische Tod Esbjörn Svenssons am 14. Juni 2008 unterbrach das Vorhaben und nur eines der Alben wurde posthum veröffentlicht: „Leucocyte“ wurde von Kritikern wie Fans als bahnbrechendes Werk, als Neuorientierung von e.s.t. und als Vermächtnis von Svensson gefeiert. Drei Jahre später, im Oktober und November 2011, sichteten Berglund und Öström das restliche Material noch einmal und erstellten gemeinsam mit dem e.s.t.-Toningenieur Åke Linton eine eigene Abmischung für das jetzt vorliegende Album „301“ – benannt nach dessen Entstehungsort.

3=1

Das völlig gleichberechtigte Spiel der drei Musiker und ihr scheinbar müheloses, stets miteinander verbundenes Interplay war Zeit seines Bestehens eines der charakteristischen Merkmale von e.s.t. Natürlich kam dieser unvergleichliche Grad von Verständnis nicht von ungefähr. Talent, Vorbereitung und harte Arbeit ergänzten sich. Vor allem aber war er Ausdruck der jahrelangen Freundschaft, einer „working band“: die drei spielten seit 1993 ausschließlich zusammen und konzentrierten sich ganz auf e.s.t. Was ganz besonders entscheidend ist, wenn man ohne Netz und doppelten Boden im Studio experimentiert, wie es in Sydney der Fall war. Nur wenige Bands sind wohl in der Lage, Improvisationen zu entwickeln und weiterzuspinnen wie es e.s.t. konnte: Ohne Leerlauf und ohne ständig auf den Ausgangspunkt zurückzukommen. Und so ist auch auf „301“ dieser oft kopierte, nie erreichte Fluss der Musik in Reinkultur zu hören, der, ausgehend von Svenssons melodischen Einfällen, mit dem blinden Vertrauen eines jeden in den Nebenmann vom sanften Bächlein zum alles mitreißenden Strom werden kann und der traditions-, wie selbstbewusst Schneisen in nie betretene Pfade schlägt.

3-1

Esbjörn Svenssons Unfalltod setzte der wahrscheinlich aufregendsten Jazzband ihres Jahrzehnts weit vor der Zeit ein Ende. Seither sehnen sich die Fans nach Archivmaterial und unbekannten Aufnahmen. Mit „301“ bekommen sie nun ein komplettes Album mit neuen Originalkompositionen und authentischer Musik von e.s.t. Warum dies erst mit einigem Abstand geschieht, liegt auf der Hand: Dan Berglund und Magnus Öström waren nach eigenen Worten zunächst wie gelähmt vom Verlust ihres Freundes und Weggefährten Esbjörn Svensson und mussten, um dies zu verarbeiten, neue, eigene Wege einschlagen. Berglund gründete mit alten Freunden aus der Zeit vor e.s.t. sein Indie-Jazz-Projekt „Tonbruket“, das mit „Tonbruket“ und „Dig it to the End“ zwei sehr erfolgreiche, unter anderem mit dem schwedischen Jazz-Grammy dekorierte Alben eingespielt hat. Öström legte mit „Thread of Life“ (ACT 9025-2) eine nicht weniger interessante, ebenfalls an seine Progrock-Einflüsse der Vor-e.s.t.-Ära anknüpfende CD vor.

Und so war es für beide immer noch ein schmerzhafter Prozess, sich nun erstmals die Aufnahmen aus Sydney wieder vorzunehmen. Doch es hat sich gelohnt: „301“ ist alles andere als eine Nachlass-Verwertung. Entstanden ist ein neues, hoch-inspiriertes, „echtes“ e.s.t.-Album, das eine Band auf der Höhe ihrer Kunst zeigt, Musik derart mit Spannung aufzuladen, wie das wenige andere je schafften. Das demonstrieren Stücke wie „Inner City, City Lights“ oder „Three Falling Free“, die ihr Thema e.s.t.-typisch auf Mikro-Ebene und mit überwältigender dynamischer Steigerung durchdeklinieren, aber auch die perfekte Dramaturgie des ganzen Albums, wie es sich, jeweils von Svenssons Piano dominiert, in ein Vorspiel „Behind The Stars“ und einen Epilog „The Childhood Dream“ einbettet.

„301“ – der triumphale Nachklang einer Epoche.