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Eric Schaefer
Kyoto mon Amour

Produktinformationen

Besetzung

Kazutoki Umezu / clarinet & bass clarinet
Naoko Kikuchi / koto
John Eckhardt / bass
Eric Schaefer / drums


Aufnahmedetails

Produced by Siggi Loch with the artist

Recorded by Klaus Scheuermann at Hansa Studios,
Berlin, Nov 30 - Dec 1, 2016
Assistant engineer: Nanni Johansson
Mixed and mastered by Klaus Scheuermann

Cover art by Shoshu, calligraphy (2016)


Das „heimliche Zentralgestirn in der […] deutschen Jazzszene“ (Die Zeit), Eric Schaefer „hebt die Jazzwelt [abermals] aus so manchen Angeln“ (Süddeutsche Zeitung): Mit „Kyoto mon Amour“ wagt der Schlagzeuger und Komponist den Brückenschlag zwischen westlicher und japanischer Musik.

„Es hat mich immer wieder nach Asien gezogen und dieser Kontakt hat mein Leben geprägt“, erzählt Schaefer. Innerhalb der letzten 14 Jahre besuchte er dreimal Korea und weilte sechsmal in Japan. Er praktiziert Zen, diesen „weglosen Weg“, in der Meditation die (eigene) Natur zu schauen. „Die Zen-Praxis hat mein ganzes Leben verändert. Mein Umgang mit den Menschen und der Natur und so auch das Erleben von Musik sind bewusster und feiner geworden.“ Davon zeugt auch „Kyoto mon Amour“.

Der Grundstein zu diesem Projekt wurde 2012 bei einem dreimonatigen Studienaufenthalt Schaefers in der alten Kaiserstadt Kyoto gelegt. Intensiv studierte er Kabuki- und No-Theater, hörte die alte höfische Gagaku-Musik, machte sich mit traditionellen Instrumenten wie Shakuhachi-Flöte, Shamisen- oder Biwa-Laute vertraut, besuchte Tempel und wanderte in die umliegenden Berge wie den Hiei-zan mit ihrem samtenen Moos und roten Ahornkronen. Eindrücke, die sich in Klangideen und Kompositionen niederschlugen. Weitere Reisen vertieften die Erfahrungen mit neuen Begegnungen wie dem Shodo-Künstler Shoshu, dessen Kalligraphien jetzt das Album passend schmücken. „Mich hat das Thema nicht mehr losgelassen“, berichtet Schaefer. Was schließlich noch fehlte, waren die richtigen Begleiter…

Wie Schaefer sie fand, kann er am besten selbst beschreiben: „Als ich Kazutoki Umezu in einer Radiosendung mit seiner Klarinette hörte, wusste ich, dass dies der Klang war, den ich suchte: weich, biegsam wie Bambus und dennoch durchdringend klar. Unbedingt wollte ich Naoko Kikuchi dabei haben, denn sie ist zum einen tief verwurzelt in der japanischen Koto-Tradition, zum anderen zog sie vor acht Jahren nach Deutschland, um beim Ensemble Modern zeitgenössische europäische Kunstmusik zu spielen.

Auch John Eckhardt ist in der Neuen Musik zu Hause, mit dem ich schon seit Jahren zusammen in meiner Band The Shredz spiele. Durch sein erdverbundenes und farbenreiches Spiel verschmelzen die Elemente aus Kammermusik, traditioneller Musik und Jazz. Die musikalische Offenheit und das Interesse an der jeweils anderen Kultur ist das Spannende an dieser Band.“

So erklingt auf „Kyoto mon Amour“ Musik, die von japanischen wie europäischen Blickwinkeln aus improvisiert wird, und doch etwas ganz Neues ergibt: Etwa, wenn bei „Shoshu-san“ wie in der Kalligraphie alles auf das Wesentliche reduziert wird, sich alle Farben und Rhythmen der Schönheit der Melodie unterordnen. Oder beim 400 Jahre alten „Rokudan“ von Yatsuhashi Kengyo. Der Fluss der Koto wird hier von einer Klarinettenmelodie kontrapunktiert und schließlich langsam von Schaefer und Eckhardt mit Dynamik und Swing aufgeladen. Eine Art Schlüsselstück ist der ruhig dahinschreitende, sich aber auf alle möglichen Seitenpfade einlassende „Santoka’s Walk“, der Schaefers künstlerisches Leitmotiv, das von einem Sinnspruch des Zen-Mönchs Santoka Taneda inspiriert ist, mit Leben füllt: „Auf Reisen dies und jenes berühren, die wandelnden Eindrücke des Geistes aufzeichnen“ Doch nicht nur ruhige, lyrische Stücke finden sich auf diesem west-fernöstlichen Diwan. Auf „Ticket To Osaka“ etwa fängt Schaefer das pulsierende Getriebe der Großstädte ein. Bei „Kansai Two-Face“ trifft eine nostalgische Koto-Melodie auf die sprudelnd vorwärtsstürmenden, von der Rhythmusgruppe angetriebenen Improvisationen der Klarinette – ein Spiegelbild der auf engstem Raum versammelten Gegensätze der japanischen Gegenwart zwischen Tradition und Avantgarde, zwischen Schlichtheit und Reichtum.

Nur auf den ersten Blick überraschend endet „Kyoto Mon Amour“ mit Ravels „Pavane de la Belle au bois dormant“: „Gerade bei den Impressionisten, in der bildenden Kunst wie in der Musik, herrschte um 1900 eine Art Japan-Begeisterung.“ Eine Offenheit, die schon damals unvergängliche Musik entstehen ließ. Auf faszinierende, moderne Weise schließen Eric Schaefer und sein Quartett daran an.