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Emile Parisien1_Sylvain Gripoix_2016
Emile Parisien1_Sylvain Gripoix_2016
Emile Parisien2_Sylvain Gripoix_2016
Emile Parisien2_Sylvain Gripoix_2016

Produktinformationen

Besetzung

Emile Parisien / soprano & tenor saxophone
Joachim Kühn / piano
Manu Codjia / guitar
Simon Tailleu / double bass
Mario Costa / drums

Guests (on 03 - 05 & 09):
Michel Portal / bass clarinet
Vincent Peirani / accordion


Aufnahmedetails

Produced by Emile Parisien
Executive Producer: Siggi Loch

Recorded by Gerard De Haro & Nicolas Baillard
at Studio la Buissonne (France), May 16 - 18, 2016
Mixed by Tony Paeleman
Mastered by Klaus Scheuermann

Cover art © Chen Ruo Bing, untitled, 2016,
Taguchi Fine Art, Tokyo, Japan


Vital, neugierig und progressiv setzt die französische Szene wichtige Wegmarken für die Entwicklung des zeitgenössischen europäischen Jazz. Trotz aller Offenheit gegenüber Musikkulturen, Genres und Strömungen hat sie aber nie die Bodenhaftung verloren. Fortschritt auf den Füßen der eigenen Tradition charakterisiert Frankreichs Jazz und der Saxofonist Emile Parisien ist einer seiner Protagonisten: Ein Jazzvisionär, der mit einem Bein in der Vergangenheit steht und den Blick weit nach vorne richtet. Das macht ihn zur „besten Neuigkeit des europäischen Jazz seit langem“ (Le Monde), dem „ungeteilte Aufmerksamkeit“ (Norddeutscher Rundfunk) geschenkt werden sollte.

Parisiens musikalische Koordinaten sind weit abgesteckt, von der folkloristischen Tradition seiner Heimat führen sie über die Kompositionsstrategien der neuen Musik zur melodischen und harmonischen Abstraktion des freien Jazz. Die besondere Qualität dieses weiten musikalischen Feldes liegt in der Selbstverständlichkeit, mit der es ausgelotet wird. Nichts wirkt bei Parisien kalkuliert oder gezwungen. Stattdessen fließen in seine Musik ganz unangestrengt, leichthändig und ohne konzeptionelle Absicherung die Genremerkmale ineinander. Das Ergebnis klingt furios und ist ein großer Hörspaß in vielen Facetten: von provokativ-anarchisch bis mitreißend-swingend.

Wer den quirligen Franzosen jemals live auf der Bühne erlebt hat, weiß, dass er den Jazz mit Leib und Seele lebt. Authentizität und Ehrlichkeit schwingen in jedem Ton mit. Auszeichnungen ließen nicht lange auf sich warten: Parisien wurde jeweils als Künstler des Jahres mit den beiden wichtigsten Jazzpreisen Frankreichs, den „Prix Django Reinhard 2012“ und den „Victoires du Jazz 2014“ ausgezeichnet. In Deutschland erhielt er den ECHO Jazz 2015 in der Kategorie „Bestes internationales Ensemble“, für das mitreißende Duo mit seinem musikalischen Alter Ego und engem Freund, dem Akkordeonisten Vincent Peirani.

Mit seinem seit über 10 Jahren bestehenden Quartett spielte Parisien unzählige Konzerte rund um den Globus. Nun wurde es Zeit für eine Zäsur, mit veränderter Besetzung: Gefunden hat sich Parisiens neues Quintett auf dem Jazzfestival in Marciac 2015.

Der Saxofonist erhielt dort eine Carte blanche und war somit völlig frei in der Musikerwahl: Neben dem aufstrebenden Gitarristen Manu Codjia, dem Bassisten Simon Tailleu und dem Schlagzeuger Mario Costa holte Parisien hier den deutschen Altmeister des Jazzpianos, Joachim Kühn, an seine Seite. Mit Saxofon-Helden wie Ornette Coleman, Archie Shepp und Pharoah Sanders hatte Kühn längst zusammengearbeitet, diesmal trafen sich zwei Meister mit fast 40 Jahren Altersunterschied zu einer kreativen Symbiose… und der Konzertsaal fing an zu brennen: Freie Improvisationen, hochenergetische Momente, emotionale Klangbilder und wilde Eruptionen, Spielwitz und Klasse - eine neue Band hatte sich gefunden.

Das musikalische Kommunikation kein Alter kennt, hat der 72-jährige Kühn bereits auf seinem aktuellen Album „Beauty & Truth“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt, im Trio mit den beiden Enddreißigern Eric Schaefer und Chris Jennings. Für Parisien war Kühn eine logische Wahl, denn beide haben eine gemeinsame Verbindung: Seit Jahren ist Parisien Mitglied im „Sweet & Sour“ Quartett die französische Schlagzeugikone Daniel Humair. Und mit ihm (und Jean-François Jenny-Clark) hatte Kühn über 30 Jahre lang das Trio seines Lebens.

Die Suite „Le clown tueur de la fête foraine“ steht exemplarisch für die Spielidee der Band. Hier gesellt sich neben Vincent Peirani auch ein zweiter Gast an der Bass-Klarinette hinzu: Parisiens Mentor, die französische Jazzlegende Michel Portal. Parisien erklärt: „Die Melodie bringt uns die notwendige Orientierung. Sie ist Bezugspunkt und Sprungbrett, um in größtmöglicher Freiheit zu improvisieren. Als Jazzmusiker spielen wir mit Spannungen und Intensitäten, aber wir tauchen auch in die Sprache des Free Jazz ein und haben einen gemeinsamen Nenner in der Musik unserer Heimat, sowie natürlich auch im Rock und Pop.“

„Sfumato“ ist das Studioergebnis dieser neuen Traumbesetzung des zeitgenössischen europäischen Jazz. Ein Generationen verbindendes Ensemble am Puls der Zeit ist hier zu hören: mit einer Klangmalerei, die andeutet aber nicht erklären will, die abstrahiert statt zu konkretisieren, und dadurch Assoziationsräume öffnet und Innenwelten preisgibt.