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Produktinformationen

Besetzung

Emile Parisien / soprano saxophone
Theo Croker / trumpet
Roberto Negro / piano
Manu Codjia / guitar
Joe Martin / bass
Nasheet Waits / drums


Aufnahmedetails

Recorded by Mathieu Pion at Studio Gil Evans de La Maison de la Culture, Amiens (France), June 2021
Mixed by Mathieu Pion in October 2021
Mastered by Klaus Scheuermann

Cover art by Helena Soubeyrand


Lacquer Disc Cutting by Sidney Claire Meyer at Emil Berliner Studios Berlin

„Le Monde“ nennt den Sopransaxofonisten Emile Parisien „das Beste, was dem europäischen Jazz seit langem passiert ist. Für „Louise“ hat dieser nun ein hochkarätiges amerikanisch-europäisch besetztes Sextett zusammengestellt.

Seinen Sinn für eine ausgeprägte musikalische Handschrift entwickelteParisien bemerkenswert früh: Er war 10 Jahre alt, als seine Familie in Cahors die Nachricht erreichte, dass im rund 200 Kilometer entfernten Marciac eine neue Musikschule eröffnet würde. Genau dies sei die Schule, die der Youngster besuchen wolle, sagte er seinen Eltern, und mit ihrer Zustimmung und Unterstützung zog er los, um dort aufs Internat zu gehen. Die Schule ebnete Parisiens Weg zu einer professionellen Musikkarriere. Auf dem renommierten Jazzfestival in Marciac lernte er einige amerikanische Jazzgrößen kennen, die schließlich zu seinen Mentoren wurden: Wynton Marsalis (mit dem er später in seiner eigenen Band und auf dem Album „Sfumato live“ die Bühne teilte), Clark Terry, Bobby Hutcherson und Oscar Peterson…

Dass die Hälfte der Musiker auf „Louise“ ebenfalls US-Amerikaner sind, nämlich Theo Croker (Trompete), Joe Martin (Bass) und Nasheet Waits (Schlagzeug), ist für Parisien von besonderer Bedeutung: „Es war Zeit für mich zu der Quelle zurückzukehren, die mir die Liebe zum Jazz überhaupt gegeben hat.“ Mit Croker und Martin stand Emile Parisien erstmals 2018 auf der Blue Note Tribute-Tour mit den „Jazz Animals“ auf der Bühne, für ihn ein außergewöhnlicher Moment und der Beginn einer besonderen musikalischen Verbindung und Freundschaft. Auf „Louise“ gibt Parisien besonders Theo Crokers Trompetenspiel viel Raum zur Entfaltung seiner emotionalen und stilistischen Bandbreite und hat hörbar Freude daran, seine eigene melodische Stimme mit der von Croker zu verflechten. In ihrem Zusammenspiel liegt etwas Magisches und sorgt für einige der vielen ergreifenden Momente auf diesem breit gefächerten und doch sehr runden Album. Schließlich lässt Parisien Croker mit dessen stimmungsvoller Komposition „Prayer 4 Peace“ auch das letzte Wort auf „Louise“.

Schlagzeuger Nasheet Waits prägt das gesamte Album mit seinem lebendigen Spiel und einer energetisierenden Präsenz, insbesondere im dritten Teil von „Memento“, dem umfangreichsten Stück auf „Louise“, welches Parisien seiner Mutter widmet. „Nasheet ist unglaublich. Es war ein Traum, mit ihm zu spielen“, sagt Parisien, der Waits' Spiel schon auf unzähligen Aufnahmen bewunderte, bevor sich ihre Wege auf Festivals kreuzten. Und mit Joe Martin komplettiert einer von New Yorks „First-Call“-Bassisten die Rhythmusgruppe, den Parisien bereits aus seiner Zeit als Mitstreiter des Quartetts von Pianist Yaron Herman kennt.

Manu Codjia und Robert Negro sind zwei der engsten musikalischen Wegbegleiter von Emile Parisien. „Wir haben in unglaublich vielen Kontexten gespielt und dabei unendlich viel Musik gemeinsam erforscht“, sagt Parisien. Gitarrist Codjia war einer der allerersten Musiker, die er kennenlernte, als er vor fast zwei Jahrzehnten nach Paris zog. „Manu hat die erstaunliche Fähigkeit, der ‚Kleber‘ zu sein, der eine Band zusammenhält und einen gemeinsamen Sound erzeugt.“ Codjia hat die Komposition „Jungle Jig“ beigesteuert, ein energiegeladenes Stück mit einer perfekten Balance zwischen Chaos und Ordnung. Auch Pianist Roberto Negro spielt regelmäßig mit Parisien, besonders im Duo, aber auch mit dessen „Sfumato“ Ensemble. „Europäische Musik, Klassik, Jazz, Roberto beherrscht alles so hervorragend! Er ist ein vollkommener Musiker“, sagt Parisien. Dies belegt auch dessen Komposition „Il giorno della civetta“ mit ihrem eleganten Tempo und wunderbar natürlichen Fluss.

Emile Parisiens sanftes, weiträumiges und meditatives Stück „Louise“ liefert den Titel und Rahmen für das gesamte Album. Gewidmet ist er der Bildhauerin Louise Bourgeois. Parisien beeindrucken ihre „Maman“-Spinnen-Skulpturen tief. Die riesigen Kunstwerke, die sich im öffentlichen Raum mit einer so unheimlichen wie faszinierenden Präsenz in das Leben der Menschen drängen, sind für Parisien einerseits ein Sinnbild dafür, wie der Corona-Lockdown den Menschen die Freude daran genommen hat, sich in diesen Räumen zu bewegen. Zugleich sind Bourgeois’ Skulpturen sehr stark mit Themen der Mutterschaft (Maman = Mutter) und den Metaphern des Spinnens, Webens, Pflegens und Schützens verbunden. Und so ist Parisiens Zuneigung und Wertschätzung der bedingungslosen Liebe von Müttern zu ihren Kindern der emotionale Hintergrund des Titeltracks. Zwei Stücke rücken schließlich europäische Musiker in den Vordergrund, die Parisien entscheidend geprägt haben: „Jojo“ ist eine freudvolle Anspielung auf Joachim Kühn - unverkennbar und zutiefst „Ornette-artig“. Und „Madagascar“ von Joe Zawinul erinnert an eine Zeit, als Parisien in „The Syndicate“ spielte, einer Band, die 2007 gegründet wurde, um Zawinuls Erbe fortzuführen und seine Musik lebendig zu halten.

„Louise“ ist ein bemerkenswertes Album, in dem wilde Energie ganz harmonisch und natürlich mit einer weichen Seite koexistiert, dessen Freiheit und Schönheit umso mehr zum Vorschein kommt, je genauer und öfter man hinhört. Und es ist der bisher tiefste und persönlichste Einblick in die Seele, den Charakter und die kreative Individualität Emile Parisiens, als einem der aktuell wichtigsten Jazzmusiker Europas.