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Ein swingender Winterspaziergang

Produktinformationen

Besetzung

Echoes of Swing :
Bernd Lhotzky / piano & musical director
Colin T. Dawson / trumpet
Chris Hopkins / alto saxophone
Oliver Mewes / drums

Rebecca Kilgore / vocals
Henning Gailing / bass
Rolf Marx / guitar (on 4, 8, 9 & 10)


Aufnahmedetails

Recorded by Stefan Gienger at Schloss Elmau, December 13 - 15, 2018
Mixed and mastered by Stefan Gienger at Mastermix Studios, Munich

Produced by Echoes of Swing

Cover photo by Schloss Elmau


Wer den klassischen Jazz in all seinen Facetten frisch und unverbraucht genießen will, der kommt seit über 20 Jahren an den Echoes of Swing nicht vorbei. Das Quartett mit Bernd Lhotzky am Piano, Colin T. Dawson an der Trompete, Chris Hopkins am Altsaxophon und Oliver Mewes am Schlagzeug renoviert seitdem den Fundus der großen Ära des Jazz mit spieltechnischer Raffinesse, außergewöhnlichen Arrangements und viel Humor. Und fügt ihm eigene Kompositionen hinzu. Ihre Alben stehen dabei gerne unter einem Thema: Nach „Blue Pepper“, „Dancing“, „Travelin‘“ und dem „Tribute to Bix Beiderbecke“ folgt nun „Winter Days at Schloss Elmau“ – ein swingender Winterspaziergang, der die ACT-Tradition herausragender, im großen Konzertsaal des Schlosses entstandener Aufnahmen weiterführt. Wo fände sich gerade für ein Winteralbum mehr Inspiration als an diesem außergewöhnlichen Ort vor der atemberaubenden Kulisse des Wettersteingebirges?

Dominieren bei den früheren Echoes of Swing-Aufnahmen vor allem die Instrumentalstücke ergibt sich für „Winter Days at Schloss Elmau“ ein Novum in der Bandgeschichte: Es ist ein reines Gesangsalbum geworden, geprägt von der US-amerikanischen Grand Dame des klassischen Jazz-Gesangs, Rebecca Kilgore. „Zu Rebecca gibt es einfach keine Alternative. Da kommen so viele musikalische und menschliche Qualitäten zusammen, dass man sie erleben muss, um es zu glauben“, schwärmt Bernd Lhotzky, der mit ihr bereits im Duo gearbeitet hat und sie auch gerne ein „erfundenes Ideal“ und eine „singende Fee“ nennt. So braucht es nur die wenigen Gesangstakte des von Chris Hopkins in ein stimmungsvolles Nocturne verwandelten Openers „Winter Moon“, um zu erkennen: Rebecca Kilgore hat es, dieses kaum erlernbare, perfekt swingende Timing, nebst subtiler Eleganz und diesem warmkalten Timbre, das Texte so selbstverständlich in Musik übersetzt. Zwei weitere Musiker erweitern das Ensemble: Auf vier Stücken bringt der Jazzgitarrist Rolf Marx eine neue Farbe in die Musik der Echoes of Swing. Henning Gailing, einer der rar gewordenen Spezialisten für klassisch swingenden Kontrabass, mit dem die Echoes of Swing schon oft auf der Bühne standen, sorgt für ein verstärktes Tiefton-Fundament.

So geht es gemeinsam auf eine ausgedehnte Schlittenfahrt, sozusagen von der Adventszeit über Weihnachten bis ins neue Jahr, durch die verschiedensten Regionen vom klassisch verschneiten „Winter Wonderland“ (hier mal ganz anders im Fünf/Vierteltakt, mit Handtrommeln und Ellingtonschen Bläsersätzen arrangiert) über frostige Metropolen der Nordhalbkugel („I’ve Got My Love To Keep Me Warm“) bis hinunter nach Südamerika, wo es bekanntlich auch Dezember wird – zum Beispiel in „Looks Like December“, einer raren Komposition von Antonio Carlos Jobim, bei dessen Altsaxofon-Passagen man hier Chris Hopkins‘ Bewunderung für Stan Getz hört.

Die „Winter Days“ der Echoes of Swing kommen dabei völlig ohne abgegriffene Weihnachts-Standards aus. Dafür erklingen Stücke, die mit den Winter-Klischees spielen oder sie brechen: Burt Bacharachs „The Bell That Couldn’t Jingle“ zum Beispiel, das hier als Bossa Nova daherkommt. Oder die drei völlig unterschiedlichen Gedichtvertonungen von Bernd Lhotzky: das fast schon poppige „Stopping By Woods“ nach Robert Frost, das eisige und düstere „The Night Is Darkening Round Me“ nach Emily Brontë, und die ausnotierte, wie ein klassisches Kunstlied anmutende Vertonung von William Shakespeares „Sonnet 97“, die bezeichnenderweise nur vom Gäste-Trio gespielt wird. Die sind hier eben nicht nur dazu geholt, die bringen sich voll ein. So schrieb Rebecca Kilgore auch das von tropischen Klängen konterkarierte Titelstück „Winter Days“ gemeinsam mit Lhotzky und suchte das hintergründig wortspielerische „Snowbound“ des Pianisten und Komponisten Dave Frishberg aus, mit dem sie seit langem befreundet ist.

Was zusammen 13 musikalische Wintergrüße ergibt, die das für die Saison üblich gewordene süße Geklingel konsequent entzuckern. Respektvoll, aber mit völlig neuem Schwung knüpfen die Echoes of Swing auch bei diesem Thema wieder an die Tradition an und überführen sie mit unbestechlichem Geschmack, unerschöpflichem Einfallsreichtum und überragender Musikalität in ihren zeitlosen Musikkosmos.