Zurück zu Alben Details

Produktinformationen

Besetzung

Echoes of Swing :
Bernd Lhotzky / piano & musical director
Chris Hopkins / alto saxophone
Colin T. Dawson / cornet & trumpet
Oliver Mewes / drums
with
Shannon Barnett / trombone & vocals
Mulo Francel / c-melody saxophone & guitar
Pete York / drums, percussion & vocals
Henning Gailing / double bass

Special guest on Jazz Me Blues:
Emile Parisien / soprano saxophone


Aufnahmedetails

CD 1: A TRIBUTE TO BIX BEIDERBECKE
Curated and produced by Siggi Loch
Recorded by Stefan Gienger at Mastermixstudio Unterföhring (Munich), August 1 - 3, 2016
Mixed and mastered by Klaus Scheuermann, August 8 - 11, 2016
Mulo Francel appears courtesy of GLM Music

CD 2: BIX BEIDERBECKE ORIGINAL MUSIC
Bix Beiderbecke & His Gang
Frank Trumbauer & His Orchestra
10 historical mono recordings


Er war der wohl erste „coole“ Jazzmusiker und damit prägend für kommende Generationen: der Kornettist und Pianist Leon „Bix“ Beiderbecke.  Am 10. März 1903 wurde er in den USA als Sohn deutscher Einwanderer geboren.  Der von heute Jazz wäre wahrscheinlich ein anderer, ohne seinen tragischen Helden mit dem samtweichen Ton. Nur allzu kurz erklang Beiderbeckes wunderbare Musik: Sein verheerender Alkoholismus setzte seinem Leben früh ein Ende - er starb mit nur 28 Jahren in New York - offiziell an einer Lungenentzündung, in Wahrheit an jahrelanger Selbstzerstörung.  

Mit dem Doppelalbum „A Tribute to Bix Beiderbecke“ kann man nun das vergessene Genie des frühen Jazz neu entdecken: Auf CD1 mit Interpretationen der „Echoes of Swing“ & Gästen und auf CD2 mit ausgewählten Originalaufnahmen von Bix Beiderbecke & His Gang.

Mit den „Echos of Swing“ stehen die aktuell wohl erfolgreichsten Erneuerer des traditionellen Jazz im Mittelpunkt der Aufnahme. An die 100 Konzerte spielt das Ensemble pro Jahr weltweit, für seine Aufnahmen erhielt es mehrmals den Preis der Deutschen Schallplattenkritik, den  Prix de l'Académie du Jazz, den  Swinging Hamburg Jazz-Award und den Grand Prix du Disque de Jazz.  Dazu gesellen sich Quadro Nuevo-Saxofonist Mulo Francel, einer der wenigen Jazzer, die das für diese Musik so typische „C-Saxofon“ beherrschen, sowie Posaunistin Shannon Barnett, Bassist Henning Gailing und, als Gast, Sopransaxofonist Emile Parisien – alle drei intime Kenner und Liebhaber von Beiderbeckes Musik. Und nicht fehlen darf Schlagzeuger Pete York, der, neben seiner Arbeit mit populären Größen wie der Spencer Davis Group, Eric Clapton, Jon Lord oder Helge Schneider beständig als Botschafter des traditionellen Jazz unterwegs ist.

Mit dem Album verfolgt Produzent und Kurator Siggi Loch neben dem reinen Hörerlebnis auch eine Mission. Er sagt: „Wer seine Geschichte nicht kennt und ehrt, der hat auch keine Zukunft. Unbestritten ist die Geschichte des Jazz eine des „Hier  und Jetzt". Aber niemand kann Kunst erneuern ohne Rückbesinnung auf seine Wurzeln und Geschichte. Denn letztlich stehen alle Künstler auf den Schultern ihrer Vorfahren. Für Viele beginnt die Jazzgeschichte heute frühestens mit den 50er Jahren. Aber davor gab es diese Musik schon ein halbes Jahrhundert und ohne die frühen Meister wie King Oliver, Louis Armstrong, Sidney Bechet, und, gerade im Besonderen, Bix Beiderbecke, hätte es die Musik eines Miles Davis und Chet Baker in der bekannten Form möglicherweise nie gegeben.

Bix Beiderbecke wurde am 10. März 1903 in Davenport, Iowa geboren. Er begann bereits im Alter von zwei Jahren mit dem Klavierspielen. Ebenfalls als Autodidakt wandte er sich bald dem Kornett zu. Mit der Musik der Original Dixieland Jazz Band wurde er groß und verbrachte bald mehr Zeit in örtlichen Bands als in der Schule. Die besorgten Eltern schickten ihn daraufhin auf die Lake Forest Akademie nahe Chicago, mit dem Ergebnis, dass er bald in den Kneipen der Stadt ein und aus ging.  Sein unstetes Leben als Berufsmusiker begann. Bix stieg bei den „Wolverines“ ein, spielte später unter anderem mit Jimmie Noone, King Oliver, Louis Armstrong und Bessie Smith. Mit Frank Trumbauer, der das seltene C-Melody-Saxophon spielte, nahm er 1927 den Hit „Singin‘ The Blues“ auf. Gemeinsam gingen die Beiden nach Detroit, um ein Engagement im sinfonischen Jazzorchester von Jean Goldkette anzunehmen. Als sich das Orchester auflöste, wechselte Bix 1928 zum selbst ernannten „King of Jazz“, Paul Whiteman. Doch das Leben als Orchestermusiker engte ihn ein. Bei „Bix and his Gang“ fand er schließlich den nötigen Raum, um sich musikalisch auszuleben.  

Lyrisch und melancholisch, rein und klar war Beiderbeckes Ton. In sich gekehrt sein Spiel, mit einer bis dato nicht gekannten Anmut: Er blies sein Kornett wie kein anderer Musiker zuvor. Er war der Gegenentwurf der in den 1920er Jahren vorherrschenden „hot player“ wie King Oliver oder Louis Armstrong. Bix war ein prägender Stilist, der Generationen von Trompetern inspirierte und der das vorwegnahm, was später als „Cool Jazz“ weltbekannt werden sollte. Und obwohl hauptsächlich als Kornettist bekannt, war Bix auch ein hervorragender Pianist.

Nicht nur Beiderbeckes besondere Ästhetik war wegweisend, sondern auch seine phänomenale Improvisationskunst, bei der es auch heiß und ungemein rhythmisch zugehen konnte. Seine Soli waren von Mozartscher Klarheit und zeugten von einer besonderen musikalischen Intelligenz. Sein fortschrittliches Harmonieverständnis, das besonders in seinem Klavierspiel zur Geltung kam, verriet den Einfluss damals zeitgenössischer Musiker wie Debussy, Ravel und Strawinsky. Seine Klavieraufnahme „In A Mist“ wurde, zusammen mit „Singin‘ The Blues“, in die GRAMMY Hall Of Fame aufgenommen.

Doch Beiderbeckes Karriere währte nicht lange: Am 30. November 1928 brach er während eines Auftritts zusammen und fiel ins delirium tremens. Eine Entziehungskur half nur kurz. Am 6. August 1931 starb Bix Beiderbecke mit nur 28 Jahren in einem New Yorker Appartement. Seine Musik lebt bis heute.