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David Helbock
Playground

Camille Bertault & David Helbock © ACT / Joanna Wizmur
Camille Bertault & David Helbock © ACT / Joanna Wizmur
Camille Bertault & David Helbock © ACT / Joanna Wizmur
Camille Bertault & David Helbock © ACT / Joanna Wizmur

Produktinformationen

Besetzung

Camille Bertault / voice
David Helbock / piano, percussion, live-looping, effects


Aufnahmedetails

Recorded by Michael Ungerer at Blackbird Music Studio, Berlin, December 15 &16, 2021
Mixed by Michael Ungerer
Mastered by Klaus Scheuermann

Produced by the artists

Cover art by Manfred Bockelmann


Lacquer Disc Cutting by Sidney Claire Meyer at Emil Berliner Studios Berlin

Camille Bertault und David Helbock, zwei Ausnahmekönner des jungen europäischen Jazz erkunden das unermesslich-wundersame Spielfeld des Jazz. Sie ist Frankreichs Rising Star des Jazzgesangs und der Österreicher einer der interessantesten Pianisten des Kontinents. Auf den ersten Blick zwei Persönlichkeiten wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Die quirlige, humorvolle Bertault und der besonnene, in sich ruhende Helbock wirken aber nur äußerlich verschieden, denn musikalisch ticken sie gleich: Beide sind sie beispiellos wandelbar und fesselnde Geschichtenerzähler mit einem tiefen Sinn für Klangfarben und großer Lust, die Grenzen ihres Metiers zu sprengen. „Playground“ präsentiert ein wesensgleiches Klavier-Gesangs-Duo, opulent und vielseitig.

Angebahnt wurde diese märchenhafte Konstellation 2019 bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen. Getreu dem Festival-Motto „Song Conversation“ war die Vorgabe an die Eingeladenen, sich einen Wunschpartner auszusuchen, mit dem man noch nie gespielt hat. Helbock nannte Bertault, die wiederum den Trompeter Médéric Collignon – also spielten die drei dort erstmals zusammen. Und Helbock und Bertault merkten, wie gut sie harmonierten, wie viel sie gemeinsam haben: Beide kommen sie ursprünglich von der Klassik, Bertault studierte bis zu 20. Lebensjahr ebenfalls Klavier, bevor sie zum Gesang fand; beide lieben sie das ganze Spektrum der Musik und haben die verschiedensten Vorbilder und Favoriten aus allen Genres; beide sind sie Meister darin, deren Kanon kraft ihrer Persönlichkeiten und ihrem eigenen Stil in neuem Licht erstrahlen zu lassen.

Schnell war den beiden also klar, dass sie ihre Zusammenarbeit ausbauen würden. Wegen der vielen Corona-Pausen kam es erst im letzten Sommer beim INNtöne Jazzfestival zur begeistert aufgenommenen Live-Premiere ihres Duos. Die Grundlage für „Playground“: „Wir haben uns wie schon vor Ludwigsburg per E-Mail darüber ausgetauscht, auf was wir Lust haben, welche Stücke wir mögen“, erinnert sich Bertault. „Wir lieben beide Egberto Gismonti, Hermeto Pascoal, Björk und Thelonious Monk. Und wir wollten ein klassisches Stück dabeihaben,“ erzählt Helbock.

Und so bilden nun seine Hommage „Para Hermeto“, Gismontis „Frevo“, Björks „New World“, Monks „Ask Me Now“ und Alexander Scriabins Cis-Moll Etüde Op. 2 No. 1 das Grundgerüst des Albums… die Spielwiese, auf der das Duo ihre besonderen Qualitäten ausbreiten können: Camille Bertault ihre einzigartige Kunst der Vokalise, mit der ihre Stimme die Melodie wie ein Instrument trägt, mal artistisch und in rasender Geschwindigkeit, mal ganz sanft und fast nur gehaucht. Aber auch die Passion der charismatischen 35-Jährigen, die ja auch Schauspiel studiert hat, eigene Texte zu schreiben. David Helbock wiederum seine einzigartige Kreativität im Ausnutzen aller Klangmöglichkeiten seines Instruments, indem er nicht nur die Tasten, sondern auch die Saiten des Flügels dämpft und direkt bespielt, den Korpus als Perkussionsinstrument benutzt und die Klänge elektronisch verfremdet. „Erstmals habe ich hier auch viel mit Loops gearbeitet“, ergänzt er.

Eine fast orchestrale Begleitung ergibt sich so, die einer besonderen Stimme einen besonderen Rahmen verleiht. „Camille hat oft sehr konkrete Vorstellungen wie ein Stück aussehen und klingen soll. Es macht dann großen Spaß, mit ihr daran zu feilen.“ Voll ausleben konnten die beiden das bei den sieben eigenen Stücken (vier von Helbock, drei von Bertault), die sie eigens für das Album schrieben. Vom skurril bluesigen „Lonely Supamen“ und dem geheimnisvoll dräuenden „Das Fabelwesen“ über das chansoneske „Aide-moi“ bis zum ätherisch-melancholischen „Bizarre“.

„Playground“ ist ein Kaleidoskop der Klangfarben und Emotionen, mitreißend, spannend, immer überraschend. Getragen von atemberaubender Gesangs- und Spieltechnik, bei der doch das Wesentliche nie vergessen wird: „Es geht nicht darum, Stärke oder Virtuosität zu zeigen, sondern darum, die Wahrheit des Augenblicks auszudrücken,“ sagt Camille Bertault. Was sie und David Helbock auf jedem Stück spielend einlösen.