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Balance
Balance

Produktinformationen

Besetzung

David Binney - Alto & Tenor Saxophone
Wayne Krantz - Guitar
Uri Caine - Piano, Synth
Tim Lefebvre – Bass
Jim Black - Drums

Guests:
Adam Rogers - Guitar on #6, #11
Fima Ephron - Bass on #6, #11
Donny McCaslin - Tenor Saxophone on #1, #3, #6,#8, #9
Tanya Henri - Vocals
Peck Almond - Brass
Kenny Wollesen - Broom on #12
Jon Haffner - Alto Saxophone on intro, #1


Aufnahmedetails

Recorded by Mike Marciano at Systems Two, Brooklyn, NY in July and August 2001
Mixed by Mike Marciano and David Binney
Mastered by Klaus Scheuermann at Teen Media, Munich, Germany
Produced by David Binney


Als "eine Entdeckung ersten Ranges" (Jazzman, Frankreich) wurde 2001 das ACT-Debüt von David Binney gefeiert und mit Auszeichnungen nicht zuletzt vom britischen Guardian und dem für viele Jazzfans noch immer als erste Referenz geltenden "Downbeat Magazine" bedacht: Vier der begehrten Sterne erhielt die CD von der großen amerikanischen Fachzeitschrift, die im Zusammenspiel der Band eine "Einheit" lobte, "die nur durch einfühlsamstes Aufeinander-Hören" erzielt werden könne. Der in New York lebende kalifornische Saxophonist Binney (40) hatte nach einhelliger Meinung der Fachpresse auf der CD "South" (ACT 9279-2) eine packende Verbindung aus hohem kompositorischem Anspruch  und möglichst großen Freiräumen für so kompetente Solisten wie Saxophonist Chris Potter und Pianist Uri Caine geschaffen: eine Musik, die in vielen, raffiniert ineinandergeblendeten individuellen Farben schillerte und den besonderen Sinn des Bandleaders für elegante Linien, für ausgefeilte Dramaturgie verriet.

"Balance" heißt Binneys neue, hier vorliegende CD, die zum einen das hohe Niveau bestätigt—oder  sogar noch ein wenig höher schraubt—und zum anderen viele überraschen wird, die die Vorgänger-Platte kennen. Denn in ganz andere, viel "funkigere" Klangwelten taucht Binneys Band hier meistens ein - eine Band, in der etwa Schlagzeuger Jim Black und Pianist Uri Caine wieder mitspielen, aber mit Wayne Krantz  und Tim Lefebvre  neue Farben bei Gitarre und (elektrischem statt akustischem) Bass hinzu gekommen sind; sowie eine Reihe von Gästen, wie etwa die Sängerin Tanya Henri. Als er die Musik für diese CD komponierte, so schreibt Binney in einem Kommentar zu den Stücken, hörte er im inneren Ohr  einen "elektrischen" Sound, weil er zu dieser Zeit die Musik wieder ausgegraben hatte, die ihn einst als Kind beeinflusste: die von George Duke, Stanley Clarke, Jan Hammer, Wayne Shorter, Weather Report, Lenny White, Tony Williams, Herbie Hancock und anderen mehr.

"Offenheit und Verschiedenheit" lobt Dave Binney an diesen Vorbildern. Und löst diese Ideale konsequent auf "Balance" ein. Denn Gleichgewicht, meint der Musiker zum Titel, sei wandelbar, sei ständigen Veränderungen unterworfen. Bei seinen regelmäßigen Auftritten in der New Yorker "55 Bar" ändere er seine Musik manchmal von einer Woche zur anderen radikal – mal stark komponiert und "akustisch", mal freier und "hoch elektrifiziert". Alles das zusammen lässt sich - bei unterschiedlicher Verteilung der jeweiligen Merkmale - auf der neuen CD verfolgen. Da gibt es zärtlich fließende Instrumental-Balladen ("Marvin Gaye", "We Always Cried"), funky lospreschende Stücke mit kantigem Bass-Untergrund, der als Folie für intensitätsgeladene Improvisationen dient ("Arlmyn Trangent"), sperrig-schöne Bläser-Sätze ohne Rhythmus-Gruppe ("Midnight Sevilla"), einander wild umkreisende Saxophone und schrill aufkreischende Gitarren bei der Erprobung der höheren Kunst des Austickens ("Speedy’s 9 is 10") – und nicht zuletzt trance-haft gesungene Botschaften über fiebrig bewegter Begleitung ("I’ll Finally Answer"). Vom Solo-Gebläse bis hin zum satten Groove, vom elektrifizierten Spät-Free-Jazz bis zur lyrischen Perle.

Die vielen völlig heterogenen Elemente fügen sich auf "Balance" aber wie selbstverständlich zu einem homogenen Ganzen. Was manche Rezensenten schon bei "South" feststellten - dass man ohne jeden musikalischen Gewalt-Akt von einer Stimmung zur anderen getragen werde -, lässt sich auch für Binney’s neue CD behaupten. Nicht nur als fesselnder musikalischer Abenteurer, als hoch inspirierter Neu-Erkunder vieler  einst vertrauter Klangwelten bewährt sich David Binney hier, sondern eben auch als Komponist: Die komplette CD ist als Komposition zu hören—in der es auf 12 Einzelstücken viele spannende Entdeckungen zu machen gibt. Der Erfolgskurs von "South" dürfte sich hier mindestens fortsetzen.