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Colin Steele
Through The Waves

Through The Waves
Through The Waves

Produktinformationen

Besetzung

Colin Steele - trumpet
Michael Buckley – tenor/soprano saxophones
Dave Milligan – piano
Aidan O’ Donnell - double bass
Stu Ritchie – drums

Special Guests:
Tom Bancroft – bodhran (Don Camillo’s Revenge)
David Robertson – congas (Kirsten’s Jig)


Aufnahmedetails

Recorded by Stuart Hamilton at Castlesound Studio Pencaitland, Scotland, October 28 - 29, 2004
Mixed by Stuart Hamilton and Calum Malcolm
Produced by Colin Steele


Jazz aus Schottland. Colin Steele gehört zu einer neuen Generation von Musikern, die nicht nur Musik machen, die in ihrem keltischen Erbe wurzelt, sondern denen es auch gelingt, von dieser Musik in ihrem Heimatland zu leben. Diese Situation ist neu. Bis vor kurzem hätte ein Jazzmusiker, der eine internationale Karriere anstrebt, nach London (so wie Jim Mullen, Bobby Wellins und andere) oder nach New York (wie Joe Temperley) umziehen müssen.

In Edinburgh hat sich rund um Leute wie Tommy Smith und Brian Kellock eine Musikszene entwickelt, deren Arbeit von dem mit vielen Preisen ausgezeichneten Label Caber Records dokumentiert wird. Jeden Abend finden aufregende Gigs in Henry’s Jazz Bar statt oder Konzerte, bei denen Jazzer und Folkmusiker einträchtig zusammenspielen.

Das Überraschende an dieser Entwicklung ist, dass sie erst so spät kommt. Schottland ist ein Land mit einem reichen Erbe, nicht nur hinsichtlich seiner Musiktradition, sondern der Künste überhaupt, Literatur, Malerei, Philosophie ... Und Edinburgh trägt seinen Spitznamen "Athen des Nordens" ganz zu Recht. Schottland ist nicht nur eine kleine "Region" des "United Kingdom". Genauso wenig wie es nur ein touristisches Zentrum mit Heidekraut, Kilts, Whisky and dem Ungeheuer von Loch Ness ist. Seit den 1990er Jahren hat das Land seine eigene Identität mit einem neuen unabhängigen Parlament und größerer politischer und ökonomischer Autonomie wieder deutlicher unterstreichen können.

Colin Steele folgt mit seiner Band einem Weg, der seit langem ein integraler Bestandteil der britischen Musikszene ist. Die Musiker leihen dem Schottland von heute ihr Ohr und verlieren gleichzeitig weder die Geschichte des Jazz selbst noch ihre eigene kulturelle Herkunft aus dem Auge. Sie haben keine Scheu, all diese Elemente zusammenzubringen und schaffen dadurch etwas Neues, das ihrer Musik eine frische und andere Perspektive verleiht. Die Arbeit eines Django Bates von der Band Loose Tubes und seiner Nachfolger hat seit den 1980er Jahren gezeigt, wie fruchtbar ein solches Vorgehen sein kann.

Colin Steele und die meisten seiner Bandmitglieder, wie etwa der Pianist David Milligan, leben in Schottland und so ist ihre Liebe zur schottischen Musik auf ganz natürliche Weise gewachsen. Sie sind keine außenstehenden Betrachter, die fremde Melodien einfach nur aufschnappen, sondern schottische Musiker mit einer profunden Kenntnis des eigenen musikalischen Erbes. Steele’s Debüt-Album für ACT zeigt seine Vertrautheit mit der schottischen Musik und bestätigt gleichzeitig, dass er ein Jazzmusiker ist, der das afro-amerikanische Idiom perfekt beherrscht. Jigs und Reels werden dekonstruiert und dann in einem ganz neuen Licht interpretiert, was einen dazubringt, die traditionellen Formen von einem anderen Blickpunkt aus zu überdenken. Und so gelingt es Colin Steele völlig überzeugend, diese unterschiedlichen  Fäden auf eine sehr eigenständige und phantasievolle Weise zu verknüpfen.

Steele hat bereits zwei Alben veröffentlicht, die ein äußerst positives Echo gefunden haben. Seine zweite CD, "The Journey Home", wurde von dem Magazin Jazz Review zum "Album des Jahres" gekürt und gewann 2004 den renommierten BBC Jazz Award.

Was die Bandmitglieder betrifft, so ist auch David Milligan ein großartiger Bandleader, mit einem ausgezeichneten Debütalbum auf Caber Records. Für Milligan spielt die Folk-Jazz-Tradition, die sich in Schweden entwickelt hat, eine besonders große Rolle und er zählt Jan Johansson und Esbjörn Svensson zu seinen Gleichgesinnten. Die Mitarbeit des Iren Michael Buckley am Saxophon bestätigt, wie wichtig Steele das keltische Musikerbe ist.

Buckley ist stark inspiriert von der Musik seiner Heimat, die von den Chieftains bis zu U2 reicht und gleichzeitig eine ganze Reihe von bekannten Jazzmusikern, wie den Gitarristen Louis Stewart oder die Sängerin Christine Tobin, hervorgebracht hat. Aber auch Buckley ist ein ausgeprägter Jazzmusiker, der unter anderem mit Dave Liebman, Sam Rivers und Paul Bley gearbeitet hat.

Jazzmusiker lieben das Unbekannte und sind neugierig genug, es kennen lernen zu wollen. Dies wird Colin Steele auch zukünftig zu neuen, fruchtbaren Ufern führen. Es ist nicht weit nach Skandinavien, besonders nach Schweden, und die kulturelle Nähe zwischen den Musikern der beiden Länder ist groß. So ist Steele eingeladen worden, mit den beiden Musikern von Norrland (ACT 9014-2), Jonas Knutsson und Johan Norberg, zu arbeiten und ein spannendes Aufeinandertreffen von schottischer und schwedischer Musiktradition steht zu erwarten.Doch zunächst einmal lassen wir uns von Through The Waves gefangen nehmen, einem Album, das sicherlich zukunftsweisend für den Jazz zu nennen ist und Lust darauf macht, Colin Steele auf seinem weiteren Weg zu begleiten.