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Christof Lauer
Shadows In The Rain

Shadows In The Rain
Shadows In The Rain

Produktinformationen

Besetzung

Christof Lauer - tenor & soprano saxophone
Jens Thomas - piano

Sidsel Endresen - vocals

Cikada String Quartet:
Odd Hannisdal, Henrik Hannisdal, Emery Cardas, Marek Konstantynowicz


Aufnahmedetails

Recorded (24 bit digital), mixed and mastered by Jan Erik Kongshaug at Rainbow Studio Oslo, June 14 - 17, 2001
Produced by Siegfried Loch


Für Christof Lauer war Jens Thomas schon Anfang 1999 der Wunschpartner Nummer eins. Auf privaten Veranstaltungen tauchte er mit ihm damals auf, bald auch in Konzerten und konnte sich schon so ein bisschen als Entdecker feiern lassen, denn sehr bekannt war Thomas in der Szene noch nicht, auch wenn er schon zehn Jahre vorher seine Gruppe Tricolor gegründet hatte. Mit der CD "You Can´t Keep A Good Cowboy Down" (ACT 9273-2) aber brach der Erfolg über ihn herein wie über keinen deutschen Jazzmusiker vor ihm. Das Goethe-Institut zog ihn ans Herz, Rundfunkproduktionen und Festivalauftritte häuften sich, und er gewann in einer Spanne von nicht einmal zwei Jahren nahezu alle Preise, die die Bundesrepublik via Schallplattenkritiker und Kulturinstitutionen zu vergeben hat. Das liegt an der Individualität eines Musikers, der ungewöhnlich spät zum Jazz  gekommen ist und der dort nicht die Evergreens pflegt oder die absolute Freiheit zelebriert, sondern aus seiner Sozialisation in der Klassik und im Rock und seiner späten Faszination durch die Möglichkeiten der Improvisation ganz neue Formen entwickelt hat – in ihrer Originalität kaum vergleichbar den auf breiter Front anstürmenden jungen Pianisten aus Amerika.

Die Freundschaft Christof Lauer - Jens Thomas wird nun mit einem Projekt besiegelt, das so wie die Thomas-Produktion mit Themen von Ennio Morricone eine auf kammermusikalische Finesse ausgerichtete Besetzung ohne Bass und Schlagzeug präsentiert und auch einen Widmungsträger hat: Sting. Der "gute Mensch" unter den Superstars, für dessen Gruppe Police sich Jens Thomas schon begeisterte, als er mit Jazz wenig zu tun hatte, bekommt jetzt, indem Jazzmusiker seine Themen spielen, etwas zurück von dem, was er in den späten achtziger Jahren für den Jazz getan hat, als er seine Gruppe The Blue Turtles für die prominenten Amerikaner Branford Marsalis, Kenny Kirkland und Omar Hakim öffnete. Dass der Police-Gitarrist Andy Summers der Rockmusik gänzlich in Richtung Jazz abhanden gekommen ist, ist ein weiterer Beleg für die geheimnisvolle Jazzkompatibilität des Sting-Umfeldes.

Die Themen von Sting werden von Lauer und Thomas mit allem Raffinement in einen Raum freier Fantasie transportiert, in dem sie den generellen Charakter, die oft melancholische oder auch brillant schäumende Grundstimmung der Originale atmosphärisch bewahren; ihre Motive aber werden zum Material für endlose Verwandlungen, Paraphrasen, turbulente oder lyrische Interaktionen, harmonische Umdeutungen und grandiose Farbspiele in den beiden Saxofonen von Lauer, der Sonorität fahl erscheinen lassen und Spitzentönen einen surrealistisch irrlichternden Glanz geben kann – etwa in der Sopransaxofonpartie vom Titelstück "Shadows In The Rain"  zu dem abgründig märchenverhangenen Spuk in der Stimme von Sidsel Endresen.

Das Cikada String Quartet spielt bei vier Stücken mit. Die Arrangements dafür schrieb Christof Lauers bevorzugter Notensetzer und Dirigent, Colin Towns. Der in den letzten Jahren zu einem international bewunderten und beschäftigten Big Band-Maestro aufgestiegene Engländer hat hier zum ersten Mal für ein Streichquartett geschrieben – mit einem geradezu magischen Ergebnis, dessen einziger Vater er freilich nicht ist. Denn das engagierte, ausdrucksstarke, auf pathetische Pirouetten verzichtende Spiel der Cikada-Herren und die wundervoll präsente Aufnahmetechnik von Jan Erik Kongshaug tragen das Ihre zu einer neuartigen Integration in der sonst so schwierigen Partnerschaft zwischen klassischem Streicherklang und Jazz bei.