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Carla Marcotulli
How Can I Get To Mars?

Carla Marcotulli - ©ACT / Paolo Soriani
Carla Marcotulli - ©ACT / Paolo Soriani
Carla Marcotulli - ©ACT / Paolo Soriani
Carla Marcotulli - ©ACT / Paolo Soriani

Produktinformationen

Besetzung

Carla Marcotulli – vocals
Sandro Gibellini - guitar
Dick Halligan - piano
Dave Carpenter - bass
Peter Erskine - drums

Quartetto Dorico :
Laura Riccardi / Alessandro Milani - violin
Gabriele Baffero - violin
Antonello Leofreddi - viola
Marco Decimo - cello


Aufnahmedetails

Recorded by Guido Andreani & Taketo Gohara at Officine Meccaniche, Milano, January & July 2007 and by Buddy Halligan at Castle Oaks Recording Studio, Calabasas & Canshaker Studio, Malibu, November 2007
Mixed and mastered by Klaus Scheuermann, February 2008
Produced by Carla Marcotulli and Dick Halligan


In der Musik ergibt Eins plus Eins manchmal Drei, soll heißen: Die Summe eines Projektes ist oft mehr als die pure Addition der Beteiligten. Ein perfektes Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit der italienischen Sängerin Carla Marcotulli mit dem amerikanischen Komponisten, Arrangeur und Multiinstrumentalisten Dick Halligan für ihr erstes ACT-Album How Can I Get To Mars? (ACT 9720-2).

Carla Marcotulli stammt aus einer musikalischen Familie. Ihr Vater war Toningenieur mit eigenem Studio, wo unter anderem viel Filmmusik entstand, darunter etliche Scores von Ennio Morricone. Während Schwester Rita Klavier lernte – heute ist sie eine der renommiertesten italienischen Jazzpianistinnen –, begann Carla Marcotulli mit Flöte. Es war eine schicksalhafte Fügung, dass ihre Musikschule auch einen Gospelchor und eine Bigband hatte – „beides im Italien der späten Siebziger eine Rarität“, wie Carla berichtet. Schnell zeigte sich, dass die vielen Besuche im Studio ihres Vaters abgefärbt hatten: beim Gespür für Melodien und der Fähigkeit, natürlich zu singen. Nun ging es ganz schnell. Carla sang mit 19 beim „Four Roses Jazz Festival“ in Rom mit Chet Baker, und noch im selben Jahr mit Carmen McRae. „Ich war ein wildes Kind, und so wurde mir erst viel später klar, was das bedeutete.“ Der römische Jazzclub „Music Inn“ wurde ihr zweites Zuhause und sie sang mit der halben italienischen Jazzszene.

Trotzdem fehlte ihr etwas, es war Zeit, an der eigenen musikalischen Ausdrucksfähigkeit zu arbeiten. Kurz entschlossen studierte Carla in Venedig klassischen Gesang und wurde Opernsängerin mit Engagements von New York bis Puerto Rico. Doch die Rückkehr zum Jazz war nur eine Frage der Zeit. „Immer nur fremde Musik nach Anweisung anderer zu singen, wurde mir zu eintönig. Ich wollte mich freier bewegen können und auch Eigenes ausprobieren.“ Sie schloss sich unter anderem Klaus Treuheits Experimentaltrio „Neue Note“ an, wirkte an einem Walt-Whitman-Projekt des Trompeters Luca Bonvini mit und stellte 2001 beim Umbria Festival „Canzoni dell'amore imperfetto“ vor, ein gemeinsames Projekt mit dem Autoren Domenico Starnone und dem Saxophonisten Mario Raja. Vor zwei Jahren begann Marcotulli, mit dem Bratscher Antonello Leofreddi, seinem Quartetto Dorico und dem renommierten Jazzgitarristen Sandro Gibellini an einer Synthese aus Klassik und Jazz zu arbeiten. Die endgültige Ausrichtung bekam das Projekt aber erst, nachdem Marcotulli Dick Halligan kennen gelernt und mehrmals mit seiner Band gespielt hatte.

Halligans Name wird – Fluch wie Segen – für immer mit „Blood, Sweat & Tears“ verbunden sein, gehörte er doch 1967 als Posaunist zur Gründungsbesetzung der wegweisenden Jazzrock-Band. Bei den ersten vier Alben der Truppe (die bis heute die erfolgreichsten und einflussreichsten geblieben sind) war er einer der wichtigsten Songwriter. Das Grammy-gekrönte „Variation On A Theme By Satie” etwa zeigt ihn schon damals als Komponisten mit klassischer Ausbildung und enormer Bandbreite. Nach der Trennung von Blood, Sweat & Tears war Halligan vor allem als Film-Komponist in Los Angeles erfolgreich. Vor einigen Jahren zog sich der heute 65-Jährige nach Italien zurück, um sich ganz dem Komponieren zu widmen.

So facettenreich wie die Karrieren der beiden ist auch die gemeinsame CD geworden. Die Synthese der verschiedenen E-Musiken auf Basis der melodisch ebenso reichen wie eingängigen Songs von Halligan gelang. Er selbst erklärt: „Ich habe die Streicher bei den Melodien ganz klassisch arrangiert und eingesetzt. Das Jazzige kommt eigentlich vorwiegend durch die Gitarre von Sandro Gibellini dazu.“ Und natürlich durch Carla Marcotullis noch in jeder Kombination und Sprache swingenden Stimme. Mit Tony Scotts „Lady Day“ ist außerdem eine feinsinnige Hommage an ihr gemeinsames Vorbild Billie Holiday zu hören. Auch zwei Standards („I’m Through With Love“ und „I Get Along Without You“) erscheinen in einem neuen, klassisch eingefärbten Licht. Neben die Streicher-dominierten Stücke treten fünfmal – zum Beispiel mit „I Look At You“ – klassische Jazz-Besetzungen vom Duo bis zum Quintett. Bei diesen in Kalifornien eingespielten Tracks spielt Halligan selbst Klavier, Dave Carpenter bedient den Bass und Weltstar Peter Erskine das Schlagzeug. Zwei Songs steuerte schließlich Carlas Schwester Rita bei. Einer war zuerst nur ein acht Takte umfassendes kleines Klaviermotiv. Carlas Sohn aber klopfte und spielte die Melodie unentwegt auf der Gitarre, weswegen das Stück bald "Rocco's Rhythm" hieß. Und das in der endgültigen Fassung eine blendende Vorlage für Carlas eigenwilligen Scat-Gesang und Dick Halligans weit ausgreifende Arrangements lieferte. Hier ergibt Zwei plus Eins weit mehr als Drei.