Zurück zu Alben Details

Bengt-Arne Wallin
The Birth And Rebirth Of Swedish Folk Jazz

The Birth And Rebirth Of Swedish Folk Jazz
The Birth And Rebirth Of Swedish Folk Jazz

Produktinformationen

Besetzung

CD1: The Bengt-Arne Wallin Orchestra 1962:
Bengt-Arne Wallin - flugelhorn & trumpet
trumpets: Idrees Sulieman / Gösta Nilsson / Sixten Eriksson / Weine Renliden trombone: Bob Henderson / Runo Eriksson / Gunnar Medberg / Olle Holmqvist
Uno Hurtig (bass tuba) / Karl Nyström (french horn) / Arne Domnérus (cl, as) / Rune Falk (bcl, bs) / Sahib Shihab (bs, fl) / Rolf Blomqvist (fl, cl, ts) / Per Olaf Gillblad (engl horn, oboe) / Rolf Bäckmann (as) / Bjarne Nerem (ts) / Yngve Sandström (fl, alto fl & piccola) / Bertil Orsin (violin) / Mirecea Saulesco (violin) / Axel Herjö (violin) / Claude Genetay (cello) / Anna Stångberg (harp) / Christer Jägerhuldt (marimba, vibes, glockenspiel, bongos, triangle) / Rune Gustafsson (guitar) / Georg Riedel (bass) / Egil Johansson (drums) / Margit Teimar (soprano voice)

CD 2: Jazz Baltica Ensemble 1997 directed by Bengt-Arne Wallin :
Lasse Lindgren (S) trumpet, Robert Majewski (PL) trumpet, Tomasz Stanko (PL) trumpet, Nils Landgren (S) trombone, Nils Wogram (D) trombone, Jukka Perko (SF) alto & soprano saxophone, Vytautas Labutis (LIT) alto, soprano & baritone saxophone, Peter Weniger (D) tenor & soprano saxophone, flute, Per Goldschmidt (DK) baritone saxophone, Bugge Wesseltoft (N) piano, Lars Danielsson (S) bass, Anders Kjellberg (S) drums, Lisbeth Diers (DK) percussion, Wolfgang Schlüter (D) vibraphone


Aufnahmedetails

Disc 1
Recorded at Europa Film's Studio. Sweden on June 5 and 18, 1962
Engineer: Olof Swembel
Original recording mad in cooperation with STIM
Remixed by Rune Persson & Bengt-Arne Walling
Digital transfers: Rune Persson

Disc 2
Recorded live by Michael Naura, NDR Norddeutscher Rundfunk, Hamburg at JazzBaltica Festival Salzau on June 13, 1997
Recording Engineers: Manfred Kietzke, Björn Brigsne


Jazz ist Weltmusik im besten Sinne. Seit der Jazz im multikulturellen Schmelztiegel von New Orleans begann, zu existieren, war er in erster Linie eine Mixtur aus der Musik Afrikas und Europas. Heute ist Jazz die bedeutendste Musikrichtung des 20.Jahrhunderts. Jazz ist die musikalische Sprache, die die Vision einer modernen Gesellschaft umsetzt, in der Menschen zusammenkommen, um zu schaffen, zu arbeiten und zu kommunizieren, in dem sie nach dem einen gemeinsamen Ziel suchen: Der Freiheit des Einzelnen in einer Gruppe Gleichberechtigter.

Afro-Amerikanische Musiker wie John Coltrane entdeckten ihr musikalisches Erbe neu und machten es zu einem Teil ihrer Sprache. Entsprechend und zur gleichen Zeit waren auch europäische Musiker fasziniert von ihrer eigenen reichen und musikalisch bedeutenden Folklore und nahmen sie in ihren Jazz Wortschatz auf. Angeregt durch Quincy Jones entstand 1962 Bengt-Arne Wallins "Old Folklore in Swedish Modern". Zurückblickend war das "The Birth of Swedish Folk Jazz" und zugleich ein Meilenstein des World Jazz ‘Made in Europe’.

Ich kann mich noch sehr gut an den Moment erinnern, als ich diese Platte während meiner Hochzeitsreise nach Schweden zum ersten Mal hörte. Damals war ich Label Manager von Philips und so in der Lage, die Aufnahme 1963 in Deutschland herauszubringen. Die Veröffentlichung blieb damals unbeachtet, aber diese Musik ließ mich nie mehr los. Dreißig Jahre später, mittlerweile Produzent für mein eigenes Label, bat ich Michael Gibbs, EUROPEANA zu schreiben und nahm es 1995 mit Joachim Kühn und der Radio Philharmonie Hannover für ACT (9220-2) auf. Ich habe die Aufnahme Bengt-Arne Wallin gewidmet. Erst 1996 gelang es mir, meinen Helden leibhaftig zu treffen, als ich meinen Freund Nils Landgren in Stockholm besuchte. Ich gab keine Ruhe, bevor ich die Originalbänder von "Old Folklore in Swedish Modern" in Händen hatte, um diese großartige Musik nach drei Jahrzehnten Abwesenheit dem Plattenmarkt wieder zugänglich zu machen.

Mein Dank geht an Rainer Haarmann, der auf meine Idee einging, Bengt-Arne Wallin zum JazzBaltica Festival einzuladen und so diese Musik im Juni 1997 im norddeutschen Salzau durch das JazzBaltica Ensemble erstmals öffentlich aufführen zu lassen. Das Konzert wurde zum größten Erfolg in der siebenjährigen Geschichte des JazzBaltica Ensembles. Ich bin daher mehr als stolz, die ‘97er Live-Aufnahme des NDR Seite an Seite mit der Originalaufnahme von 1962 als "Birth" und "ReBirth of Swedish Folk Jazz" auf meinem Label ACT veröffentlichen zu können.

Siegfried Loch

BENGT-ARNE WALLIN IM GESPRÄCH

- Wie kamen es 1962 zur Aufnahme von "Old Folklore in Swedish Modern"?
1958 spielte ich in verschiedenen Stockholmer Bands und schrieb zudem Arrangements für andere - vom kleinen Ensemble bis zur Bigband. Aber egal, mit wem ich gerade spielte, ich hatte das Gefühl, daß es jeden Tag das Gleiche war. Die amerikanischen Standards, der Blues, all das. Ich suchte nach einem Weg aus dem Dilemma. Aber nichts funktionierte, es hat mich alles nicht befriedigt. Dann kam Quincy Jones nach Stockholm und wohnte ein halbes Jahr in meinem Apartment. Wir wurden sehr gute Freunde und redeten viel, auch über meine Unzufriedenheit. Er hatte den Auftrag, Folksongs aus allen Ecken der Erde neu zu arrangieren und wollte, das ich ihm schwedische zeige. In dem Stockholmer Folklore Archiv stießen wir auf einige gute Songs. Ich habe ihm "Warmlandsvisan", eines der bekanntesten schwedischen Lieder, vorgestellt und er war begeistert: So entstand sein "Dear Old Stockholm".

Damit war auch mein Interesse an der schwedischen Folklore geweckt. Ich begann, Arrangements für dieses Projekt zu schreiben. Das Problem war, das ich sie für ein derart großes Orchester geschrieben hatte, daß es kaum eine Chance gab, das Projekt umzusetzen.  Erst vier Jahre später hörte der Jazz-Chef des schwedischen Radios einige dieser Arrangements. Und so entstanden in drei Sessions die Aufnahmen 1962. Als die Platte damals in Schweden herauskam, war sie ein großer Erfolg, in den Zeitungen heiß diskutiert. Es gab heftige Verrisse und großes Lob. Manche fanden auch, man dürfe so etwas nicht mit Folk-Musik machen.

Weil es die Folk-Musik "verdirbt"?

Genau, den Jazz konnte man nach damaliger Ansicht kaum verderben. Andere aber fanden, das es eine fantastische Idee sei. Jedenfalls hat sich die Platte über zehn oder 15 Jahre sehr gut verkauft, erstaunlich vor allem, wenn man bedenkt, daß es eigentlich eine sehr ungewöhnliche Platte ist. Die Bänder verschwanden irgendwann, bis mich diesen April jemand anrief und sagte: "Ich habe sie!" Siegfried Loch hat sie für ACT erworben und ich habe sie selbst für die CD remastered.

Sie waren auf diesem Gebiet ein Pionier. Als es zum Trend wurde, verloren Sie selbst das Interesse am Folk-Jazz. Wie denken Sie mit dem Abstand von 35 Jahren über die alten Aufnahmen?
Jetzt ist es wieder o.k. Aber ich hätte mich nie mehr mit den alten Bändern beschäftigt, wenn Siggi Loch nicht gekommen wäre. Ich mache so viele verschiedene Sachen und dieses Projekt war für mich schon Geschichte - etwas, auf das ich nostalgisch zurückgeblickt habe. Jetzt nicht mehr, ich mußte mich ja wieder damit auseinandersetzen, es wurde sozusagen aktualisiert. Mit den Musikern des JazzBaltica Ensembles ist die Musik jetzt andere Wege gegangen, wurde wieder frisch für mich. Ich habe komplett neue Arrangements geschrieben, die aber auf dem alten Konzept beruhten. Manche alten Songs schienen mir auch nicht in die neue Band zu passen, so sind andere hinzugekommen. Es ist also nach 35 Jahren eine Session mit fast dem gleichen Material, aber einer völlig anderen Band und einem völlig anderen Sound.

Haben Sie eine Idee, wie diese Aufnahmen in der Jazz-Welt von 1998 aufgenommen werden?
Nein, nicht die Geringste. Nicht mal eine Spekulation. Was ich aber sicher weiß: Die CD ist künstlerisch eine gute Idee, wahrscheinlich sogar kommerziell. Sie ist in ihrer Art einzigartig. Ich weiß, unter welch glücklichen Umständen die beiden Aufnahmen zustande kamen, ich weiß, was die Musiker drüber dachten - ich weiß also, daß es fantastische Platten sind. Darüber hinausgehend weiß ich noch nichts.

Interview: Ralf Dorschel

Geboren wurde Bengt-Arne Wallin 1926 im schwedischen Linköping. Parallel zu einem Studium als Luftfahrttechniker studierte er Trompete und wurde 1948 professioneller Trompeter und Komponist. 1953 bat ihn Schwedens großer Jazz-Veteran Arne Domnerus in sein Orchester, gleichzeitig war Wallin Solo-Trompeter im Harry Arnold Sweden Radio Orchestra. 1962 erschienen die auf Anregung von Quincy Jones entstandene Aufnahme "Old Folklore in Swedish Modern".

1966 endete Wallins Laufbahn als Musiker vorerst, er begann, sich ausschließlich auf das Komponieren und Arrangieren zu konzentrieren. Zusätzlich lehrte Wallin von 1972 bis zu seiner Pensionierung 1993 an der Königlichen Musikakademie in Stockholm Komposition, Improvisation und Ensemblespiel. Als Lehrer prägte er eine ganze Generation junger schwedischer Jazzmusiker wie Nils Landgren.

Bengt-Arne Wallin arbeitete zunehmend als Dirigent und Arrangeur im Bereich von Fernsehen und Theater, bearbeitete auch die schwedischen Versionen von "Hair", "Cabaret" und der "Dreigroschenoper". Hinzu kamen erfolgreiche eigene Musicals wie "The Song about the Boogeyman" und "The City Sings" und symphonische Kompositionen, darunter "Four Leaf Clover" für das Schwedische Radio Symphonie Orchester und den Solisten Clark Terry und "Pleasure Songs" für das gleiche Orchester und Stan Getz