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Andreas Schaerer
Out Of Land

Produktinformationen

Besetzung

Emile Parisien / soprano saxophone
Vincent Peirani / accordion
Andreas Schaerer / voice & mouth percussion
Michael Wollny / piano


Aufnahmedetails

Produced by the artists
Executive Producer: Siggi Loch

Recorded live in concert at bee-flat Bern, April 10, 2016

Mixed and mastered by Martin Ruch at Control Room Berlin, November 2016

Cover art © Neo Rauch, Unter Feuer (detail), 2010
by kind permission of the artist, courtesy Eigen + Art, Berlin/Leipzig


Eine Supergroup des europäischen Jazz - so darf man das Quartett wohl nennen, in dem sich der Schweizer Sänger Andreas Schaerer, der deutsche Pianist Michael Wollny, der französische Akkordeonist Vincent Peirani und sein Landsmann am Sopransaxofon, Emile Parisien, zusammengefunden haben. Alleine zwölf ECHO Jazz Awards vereinigen sie auf sich und in ihren Heimatländern haben sie nahezu jede wichtige Auszeichnung erringen können. Mit dem Live-Album „Out of Land“ beweisen sie nun gemeinsam, dass sie an der Spitze der Jazzgeneration zwischen 30 und 40 Jahren stehen: weil sie die Möglichkeiten ihres Instruments neu definieren und die Grenzen des Jazz erweitern.

Peirani ist das Bindeglied dieses aus musikalisch Gleichberechtigten bestehenden Gipfeltreffens, hat er doch mit den drei anderen schon gespielt und sie nun hier zusammengeführt. Parisien ist ohnehin ein Seelenverwandter  und nahezu unzertrennlicher Weggefährte Peiranis. Mit Wollny hat der Akkordeonist schon im Trio seines „Thrill Box“-ACT-Debüts gespielt und im Duo „Tandem“ geht er mit ihm „eine hinreißende Liaison von bezaubernder Musikalität“ (Der Tagesspiegel) ein. Schaerer schließlich hatte Peirani vor zwei Jahren kennengelernt, als er bei einem „Hildegard Lernt Fliegen“ Konzert in Paris als Special Guest auf die Bühne kam. Obwohl gewünscht, ergab sich aber seither aus Zeitnot keine weitere Zusammenarbeit. Bis Schaerer jetzt Einladungen mit einer Carte blanche nach Budapest und Bern erhielt, bei denen er endlich Peirani ins Spiel brachte. Der wiederum Parisien und Wollny dazu holte…

Wie aber das Kind nennen? Schaerer schickte Peirani eine Liste mit Titelvorschlägen für das Projekt, darunter auch das offene „Out of…“. „Vincent antwortete mit ,Out of Land’, und das war es dann“, erinnert sich Schaerer. Klang dies doch nach der idealen Umschreibung für das Verlassen des sicheren Terrains, für etwas, von dem man noch nicht genau weiß, wie es wird. Denn das war Teil des Konzepts: offen zu bleiben, für die Ideen der anderen und sich die Spannung des im Moment Musizierens zu erhalten. Ohne Vorbereitungen wurden drei Tage geprobt, um dann gemeinsam auf die Konzertbühne zu gehen. Was Schaerer so erklärt: „Es ist einfach ein Traum, eine fast spirituelle Form des Musizierens, wenn man musikalisch spontan auf seine inneren Visionen eingehen und sie transparent kommunizieren kann. Und diese Musiker können es!“

Was mit Andreas Schaerer beginnt, einem der größten Improvisatoren unter den aktiven Jazzsängern. Er ist ein genialer Stimmartist, der sein Organ in den verschiedensten Lagen und Stilen erklingen lassen kann. Und einer, der auch alle denkbaren Geräusche erzeugen und allerlei Instrumente bis hin zum Schlagzeug imitieren kann.

Die bisherige Krönung seiner Karriere war wohl das im Herbst 2015 beim Luzern Festival uraufgeführte und stürmisch bejubelte Werk „The Big Wig“ für ein 66-köpfiges Symphonieorchester, dessen Mitschnitt zugleich sein ACT-Debüt markiert. Obwohl einige Jahre jünger, kann der 36-jährige, aus Nizza stammende Akkordeonist Vincent Peirani gut mithalten. Auch er hat in den vergangenen drei Jahren zahlreiche Auszeichnungen vom „Prix Django Reinhardt“ über die „Victoires du Jazz“ bis zum ECHO Jazz erhalten und ist zum Aushängeschild des jungen französischen Jazz geworden. Was er Knopfakkordeon und Akkordina entlockt, hat man so noch nicht gehört. Wie Schaerer schöpft auch er in seinen Projekten aus den unterschiedlichsten Genres - von Jazz, Chanson und Weltmusik über Klassik bis hin zu Heavy Rock. Peiranis Bruder im Geiste ist Emile Parisien, nicht nur, weil auch er frei über disparates Material von Wagner bis zum Hip-Hop improvisieren kann. Wie Schaerer den Gesang und Peirani das Akkordeon, so hat auch er sein Instrument technisch wie kompositorisch in neue Sphären geführt. Was man auch für das Klavierspiel von Michael Wollny behaupten kann. Ob im Duo mit dem Saxofon-Veteranen und Albert-Mangelsdorff-Weggefährten Heinz Sauer oder im eigenen Trio, mit seinem immer fantasievollen, stets überraschenden Spiel ist das „Jahrhunderttalent“ (Süddeutsche Zeitung) in die sehr kleine Riege deutscher Jazzer mit internationaler Reputation vorgestoßen.

Ihre zum Teil erstmalige Begegnung auf „Out of Land“ (Wollny und Schaerer hatten vorher noch nie miteinander gespielt) präsentiert sich nun voll unbändiger Energie. „Wir haben uns an vieles, was wir in den Proben besprochen hatten, auf der Bühne nicht gehalten, bewusst!“, erklärt Schaerer, „weil die Musik im Moment einfach etwas anderes gewollt hat. Mit dieser Band geht das, da fängt man einfach das Fliegen an.“ Und schon beim Einstieg mit Peiranis „Air Song“ darf man mitfliegen, so stark ist die emotionale Kraft dieser melodiebetonten Miniatur. Überwaltigende Dynamik und Rhythmik prägt dann das ebenfalls von Peirani stammende „B&H“. Eine überbordende Lust am Klangexperiment ist Wollnys „Kabinett V“. Besonders eindrucksvoll ist die gemeinsame kreative Infusion bei Schaerers „Rezeusler“: Das ursprünglich auf der Grundlage einer Sextett-Uptempo-Nummer als Ballade für Orchester komponierte Stück wird hier zu einer völlig neu klingenden Quartett-Suite. Nacheinander umkreisen erst Peiranis Akkordeon, Schaerers Stimme und Wollnys Klavier impressionistisch und sphärisch das Thema, bevor alle vier ins herzergreifende Finale einstimmen. Mit dem fast 14 Minuten langen, alles quasi wie bei einer Jam Session bündelnden „Ukuhamba“ verabschieden sich diese vier Erzmusikanten. Von einem Gipfeltreffen, das ein schwer zu übertreffendes Plädoyer ist für die Faszination der Improvisation und für die Kraft des live gespielten Jazz.