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Adam Baldych
Sacrum Profanum

Adam Baldych © Bartosz Maz
Adam Baldych © Bartosz Maz
Adam Baldych © Bartosz Maz
Adam Baldych © Bartosz Maz

Produktinformationen

Besetzung

Adam Bałdych / violin & renaissance violin
Krzysztof Dys / piano, prepared upright piano & toy piano
Michał Barański / double bass
Dawid Fortuna / drums, crotales & gran cassa


Aufnahmedetails

Recorded by Klaus Scheuermann at Clouds Hill Recordings Studio Hamburg, November 20 & 21, 2018
Mixed and mastered by Klaus Scheuermann at 4ohm Studio Berlin, December 4, 2018
Produced by Adam Bałdych

Cover art by Mimmo Paladino: Agamennone (1999 - 2000)


„Sacrum Profanum“ ist nicht nur Neuanfang, sondern auch Rückbesinnung des polnischen Geigers Adam Bałdych. Eines Mannes, der mit 16 auszog, um die Jazz-Welt mit jugendlichem Sturm und Drang zu erobern. Und den die FAZ nach seinem ACT-Debüt „Imaginary Room“ im Jahre 2011 als „größten lebenden Geigentechniker des Jazz“ adelte. Bałdychs technisch atemberaubenden Linien erinnerten an die von Bläsern, seine mehrstimmigen Motive an das Akkordspiel von Pianisten, dazu kam eine die Genregrenzen überwindende Experimentierlust.

Und doch war all dies, darunter zuletzt auch zwei Alben mit dem Helge Lien Trio, nur die Basis für Bałdychs auf „Sacrum Profanum“ dokumentierte Selbstfindung: Wie so viele in dieser sich stetig beschleunigenden, um sich kreisenden Zeit suchte er mehr denn je nach Harmonie, Zuversicht, zeitlosen Werten und der Wahrheit über sich selbst: „Ich beschloss, mich der ,heiligen Musik‘ zuzuwenden, von der mittelalterlichen Mystikerin Hildegard von Bingen und dem Renaissancekomponisten Thomas Tallis bis zur zeitgenössischen russischen Avantgardistin Sofia Gubaidukina“, erzählt Bałdych. „Mein Ziel war, die zeitlose Schönheit der mystischen Musik und dieser ihrer exzeptionellen Komponisten einzufangen und sie in einer aktuellen musikalischen Sprache zu interpretieren.“ Fünf Stücken dieses Ursprungs (zu den Genannten kommt auch eines von Gregorio Allegri und das „Bogurodzica“ unbekannter Herkunft) stehen fünf neue eigene Kompositionen Bałdychs gegenüber. Sie alle eint die Kombination aus dem Geist der improvisatorischen Freiheit und der Hinwendung zum klassischen Klang.

„Als junger Geiger wurde ich von der Musikschule geworfen, weil ich Jazz gespielt und beim Versuch, damit den Geigenklang neu zu definieren, gegen die klassische Musik rebelliert hatte. Nun kam ich auf das zurück, was mich zuletzt am meisten inspiriert hatte – die klassische Musik“, berichtet Bałdych zur Vorgeschichte von „Sacrum Profanum“. Zusammen mit seinen herausragenden polnischen Begleitern Krzysztof Dys am Klavier, Michal Baranski am Bass und David Fortuna am Schlagzeug orientierte er sich an den Klangmöglichkeiten der Neuen Musik. Orchesterinstrumente wie die Gran Cassa, Zimbeln oder Gongs kamen hinzu, das Klavier wurde für bestimmte Stücke präpariert. Und er selbst ließ sich selbst vom einmaligen Ton der Renaissance-Violine inspirieren.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: „Sacrum Profanum“ ist kein klassisches und schon gar kein New-Age-Album, sondern eines das Genres und Stile transzendiert. Und es ist auch nicht leise. Den meditativen Passagen, oft mit osteuropäischem Kolorit, der klassischen Tongestaltung und Formelhaftigkeit stehen rasende, ja rockige Ausbrüche („Repetition“) und ganz allgemein eine starke Rhythmik gegenüber. Selbst Hildegard von Bingens „O Virga ac diadema“ bekommt einen hin und her wogenden, rasanten Drive. Aus Gubaidulinas „Concerto For Viola And Orchestra“ wird eine wilde Suite zwischen Soundtrack und Freejazz. Und Bałdychs abschließendes Solo „Jardin“ ist fast ein Popsong, freilich ohne gestrichene, sondern ausschließlich mit gezupften oder angeschlagenen Saiten. Bałdych wirft alles in die Waagschale, was ihn bisher schon auszeichnete. Oder, wie er es formuliert: „Virtuosität bedeutet für mich heute die ausgefeilte Varietät des Klangs, voller neuer Farben und verschiedenen Techniken, welche mir beim Experimentieren mit dem Instrument ein unendliches Meer an Möglichkeiten eröffnen.“ Damit hat er auf „Sacrum Profanum“ den neuen eigenen Ausdruck gefunden, den er suchte.