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Adam Baldych
Imaginary Room

Produktinformationen

Besetzung

Adam Bałdych / violin
Jacob Karlzon / piano
Lars Danielsson / bass, cello
Morten Lund / drums
Verneri Pohjola / trumpet
Marius Neset / saxophone
Nils Landgren / trombone (on 05 & 08)


Aufnahmedetails

Produced by Siggi Loch and Nils Landgren
Recorded by Arne Schumann, March 11-13, 2012 at Hansa Studio Berlin.
Assistant engineer: Conrad Hensel
Mastered by Klaus Scheuermann


Abgesehen von Seitenlinien wie Gypsy oder Hot Swing ist die Geige im Jazz ein Exot geblieben. In einigen Ländern gibt es gleichwohl eine gewisse Tradition: In den USA führt sie von Joe Venuti und Stuff Smith bis zu Mark Feldman und Regina Carter, in Frankreich von Stephane Grappelli zu Didier Lockwood, im Violin-Land Polen schließlich darf man an Michal Urbanek, Zbigniew Seifert und Krzesimir Debski denken. Sie alle jedoch entstammen den Generationen der klassischen, von einem dominierenden Stil geprägten Jazzgeschichte. Im globalisierten, sich stilistisch in alle Richtungen auffächerndem Jazz der vergangenen zwei Jahrzehnte sucht man einen herausragenden Geiger vergeblich. Bis jetzt.

 „Zweifellos der größte lebende Geigentechniker des Jazz. Von ihm kann man alles erwarten“, schrieb Ulrich Olshausen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nach dem umjubelten Auftritt von Adam Bałdych beim Jazzfest Berlin 2011. Schon kurz zuvor hatte der in New York lebende Pole mit seiner Band Damage Control international auf sich aufmerksam gemacht. Nun folgt sein ACT-Debüt „Imaginary Room“, das erste Album eines Jazz-Geigers in der 20-jährigen Labelgeschichte. Eine erstaunliche Präsenz für einen erst 26-Jährigen, und doch nur folgerichtig für einen, dem in seiner Heimat früh der Ruf eines „Wunderkindes“ vorausging.

Bałdychs Talent zeigte sich früh. „Mit neun Jahren entschloss ich mich, eine Musikschule zu besuchen“, erinnert er sich. Er war sich der Tradition seiner Heimat wohl bewusst: „Polen hat eine lange Geschichte in der Musik, speziell beim Klavier und seit Henryk Wieniawski bei der Geige.“ Zur Violine kam Bałdych erst mit elf, und suchte sich bald große Vorbilder: „Ich war sehr von den berühmten osteuropäischen Komponisten beeinflusst, Rachmaninoff, Chopin und Tschaikowski.“ Mit dreizehn entdeckte er den Jazz und entschied sich, seinen weiteren Weg in diese Richtung zu gehen: „Der Jazz gab mir die Freiheit, die ich suchte.“

Mit 16 begann Bałdychs internationale Karriere, er spielte in ganz Europa und Asien. Nachdem er sein Jazzstudium an der Musikhochschule Kattowitz mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, bekam er ein Stipendium für das Berklee College of Music in Boston. Seither ist New York die Basis seiner musikalischen Reisen durch alle Welt, unter anderem tourte er mit Grammy-Gewinner, dem Pianisten Jim Beard. In den vergangenen drei Jahren dann erhöhte sich Schlagzahl enorm: An der Seite der berühmten Violin-Kollegen Didier Lockwood, Pierre Blanchard, Jerry Goodman Krzesimir Debski und Christian Howes nahm er an dem vom Gitarristen Jaroslaw Smietana geleiteten „Tribute to Seifert“ teil.

Er arbeitete regelmäßig für Theater- und Filmproduktionen und legte in rascher Folge bemerkenswerte Alben vor, unter anderem ein Duo mit dem Sänger Mika Urbaniak, eines mit den Groove Razors und zuletzt „Magical Theatre“, inspiriert von der Lektüre von Hermann Hesse, vor allem des „Steppenwolfs“.

Obwohl in den USA lebend, ließ Bałdych den Kontakt zu polnischen Musikern nie abreißen. Seine Band Damage Control ist ausschließlich mit Landsleuten besetzt. Folgerichtig wurde der polnische Pianist und ACT-Künstler Leszek Mozdzer auf ihn aufmerksam. Während der Expo in Spanien 2008 lernten sich die beiden kennen, ein Jahr später schrieben sie gemeinsam den Soundtrack für den Film „Sir Arnes Schatz“ des schwedischen Regisseurs Mauritz Stiller. Mozdzer empfahl Bałdych an ACT-Chef Siggi Loch, der nicht lange zögerte, den jungen Geiger in die ACT Familie aufzunehmen.

Mit Loch als Produzent und Landgren als Koproduzenten ging es mit Bałdychs neuesten Kompositionen Anfang März ins Berliner Hansa-Studio. Dazu stießen illustre Begleiter, eine erstklassige Studioband: die Baltic Gang. Neben dem schwedischen Weltklasse-Bassisten Lars Danielsson bilden der vornehmlich an der Seite von Paolo Fresu und Stefano Bollani wirbelnde dänische Schlagzeuger Morten Lund sowie der durch die Zusammenarbeit mit Viktoria Tolstoy bekannte schwedische Pianist Jacob Karlzon das musikalische Rückrat. Zwei der derzeit größten Talente des skandinavischen Jazz, der finnische Trompeter Verneri Pohjola und der norwegische Saxophonist Marius Neset bilden die Bläsersektion. Dieses Allstar-Ensemble widmet sich auf „Imaginary Room“ den neuesten Kompositionen Bałdychs, bei denen viel Raum bleibt für Improvisation, für atemberaubende eigene Soli wie für die Einfälle seiner genialen Begleiter, auch wenn alle Stücke eine bezwingende Melodie als Rahmen haben. Mal sind diese Melodien osteuropäisch eingefärbt, oft auch elegisch nordisch, dann wieder sind sie vom modernen amerikanischen Sound der Großstadt geprägt.

Stets aber erlebt man eine Geige, wie man sie so noch selten gehört hat. Hier klagt und schluchzt nichts, eher erinnern Bałdychs technisch atemberaubende Linien an die eines Bläsers, und mehrstimmige Passagen an das Akkordspiel eines Pianisten, immer unterlegt von einem leicht rauhen, bluesigen Unterton. Auf „Imaginary Room“ vergisst man jedes Geigen-Stereotyp und wird Zeuge von Bałdychs beeindruckender Virtuosität, Expressivität und Variabilität.